Mittwoch, 27. Februar 2013

Sciences humaines et sociales, médecine et santé


Prof. Dominique Sprumont, Institut de droit de la santé, Université de Neuchâtel

La médecine actuelle ne repose pas sur un modèle purement bio-psycho-social de la santé et de la maladie. Elle s’appuie sur une compréhension plus large des nombreux facteurs liés à la place de l’humain dans la société et son environnement, ainsi qu’à son rapport aux autres et à soi-même. Aujourd’hui comme à ses origines, la médecine se rattache aux sciences humaines et sociales et pas seulement aux sciences de la vie.

Le temps a paru opportun aux Académies suisses des sciences humaines et sociales (ASSH) et des sciences médicales (ASSM) d’organiser des workshops sur le thème « Medical Humanities» Le dernier, sur «Etat actuel et développement dans les hautes écoles suisses », s’est tenu il y a une année, le prochain aura lieu en quelques semains. 

Lors du dernier workshop, diverses expériences d’enseignement ont été présentées. D’emblée, cela a permis de constater la variété des programmes et des approches, certains étant davantage orientés sur les sciences humaines et les arts, d’autres plus ouverts sur l’ensemble des sciences humaines et sociales, en particulier les sciences sociales. En plus, la question des recherches en santé menées dans le domaine des sciences sociales a été abordée. Une étude récente commanditée par l’ASSH a permis de se faire un premier aperçu de la situation. Sa présentation a suscité plusieurs réactions, notamment sur la difficulté de bien circonscrire le cercle des disciplines concernées, mais aussi d’identifier l’ensemble des ressources disponibles afin de financer la recherche dans ce domaine. L’absence du droit, de l’économie ou du management de la santé dans le rapport présenté s’est avérée problématique. Lors du workshop du 26 mars prochain « Medical Humanities II : la place des sciences humaines et sociales dans la formation médicale », des modèles et expériences en provenance d’autres universités que lors de la dernière édition, des hautes écoles et en particulier la contribution du droit seront discutés. 

La place des SHS reste relativement mal définie. Si certaines branches, comme le l’éthique, le droit, l’économie ou les communications, sont explicitement mentionnées dans la loi fédérale sur les professions médicales universitaires(LPMed) – qui fixe le cadre général de la formation en Suisse –, le statut d’autres disciplines, comme l’histoire, la philosophie, les arts ou la sociologie, demeure plus incertain. Le problème est accentué en Suisse par la diversité des programmes de chaque Faculté. Il s’avère dès lors difficile de faire des comparaisons et d’identifier les domaines susceptibles d’une plus grande collaboration et/ou coordination.

Pour autant une collaboration interdisciplinaire et transversale doit se mettre en place dans un esprit d’inclusion et de vision globale. Des résultats concrets sont aujourd’hui attendus de la part de l’ASSH et de l’ASSM. Rendez-vous est pris pour le 26 mars à Berne.

Donnerstag, 21. Februar 2013

Latein? Christliche Tradition!


Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Balz Engler, Basel

Braucht es ein Lateinobligatorium in den Geisteswissenschaften? Die Sache bleibt offenbar auch nach dem Berner Podiumsgespräch kontrovers. In der Diskussion werden zwei Dinge gerne vermischt, die man auseinander halten sollte: Ist ein differenziertes Verständnis unserer Kultur ohne Beherrschung des Lateins möglich? Und: Was lernt man, wenn man Latein lernt?

Ich muss gestehen: Mein Latein ist eingerostet. Die acht Jahre Unterricht, die ich am Gymnasium vielleicht nicht immer genoss, aber im Ganzen doch gerne absolvierte, kommen mir aber immer wieder zugute: Wenn ich einer lateinische Inschrift begegne, wenn ich den Bericht eines Arztes lese, wenn ein gebildeter Mensch eine lateinische Fügung verwendet, et cetera. In meinem Beruf allerdings, beim Unterricht in englischer Literatur an einer Universität, hatte ich kaum Gelegenheit, meine Kenntnisse anzuwenden, denn alle Ausgaben rechnen mit Studierenden, die des Lateins nicht mächtig sind, und die entsprechenden Stellen sind übersetzt.

Ich möchte meine Latein-Kenntnisse nicht missen, und ich bin froh,  dass ich sie während meiner Schulzeit, über einen längeren Zeitraum, erwerben konnte. Wenn ich allerdings sehe, wie Studierende, um ein Obligatorium zu erfüllen, in kurzer Zeit das Latein nachbüffeln müssen, stellen sich mir Fragen. Was bleibt davon hängen? Nicht allzu viel. Können sie das Gelernte im Studium brauchen? Gewiss ein bisschen. Hätten sie in dieser Zeit nicht etwas lernen können, was für ihr Studium wichtiger gewesen wäre? Mit Sicherheit. Was erhofft man sich von diesen Kursen? Sicher auch – trotz des grossen Bemühens der Unterrichtenden, sie attraktiv zu gestalten – eine gewisse Abschreckung: Man soll gescheiter eine Latein-Matur machen.

Etwas lässt sich in diesen Kursen ganz bestimmt nicht nachholen: das Erwerben einer Lernkultur, die traditionell zum Lateinunterricht gehört – auch das neue Latinum Electronicum dokumentiert sie. Diese Lernkultur ist wohl wichtiger als das Verständnis von Vokabeln und grammatischen Formen und trägt entscheidend zum Studienerfolg bei. Sie beruht darauf, dass man lernt, sich Regeln zu unterziehen, deren Nutzen nicht immer einsehbar ist, auf Disziplin – von der Art, wie sie junge Männer auch im Militär üben. Es ist nicht Zufall, dass der Niedergang des Lateins in der akademischen Schulung dann anfing, als zunehmend Frauen zu ihr zugelassen wurden.

Ginge es darum, sich mit den Grundlagen unserer Kultur vertraut zu machen, so gäbe es noch vieles, das allen so weiter gegeben werden müsste, wie das immer noch für das Latein gefordert wird: elementare historische, philosophische und physikalische Kenntnisse, zum Beispiel. Verschiedene Interessengruppen haben da wohl auch verschiedene Vorstellungen, und ohne die Setzung von Prioritäten geht es nicht. Ob das Latein da an die erste Stelle gehört, ist zu bezweifeln. Erstaunlich ist vielmehr: Wenn es denn um Kenntnisse in den Grundlagen unserer Kultur geht, warum wird die christliche Tradition nicht genannt? Sie hat die westlichen Kulturen seit der Spätantike geprägt. In unserer säkularen Kultur ist die Vertrautheit mit ihr allerdings geschwunden, und, wie ich aus Erfahrung weiss, nur noch fragmentarisch vorhanden. Aber natürlich bietet sich die christliche Tradition nicht an für die Entwicklung einer Lernkultur, wie das Latein sie hervorgebracht hat. Einige mögen das bedauern.




Mittwoch, 13. Februar 2013

Welches Latein für welchen Zweck?


von Dr. des. Manuela Cimeli und Dr. Beat Immenhauser, wissenschaftliche Mitarbeitende SAGW

Fazit der Podiumsveranstaltung der SAGW «Am Ende des Lateins? Pro und contra Lateinobligatorium für geisteswissenschaftliche Studiengänge» vom 12. Februar 2013, Uni Bern

Kennzeichen der gestrigen Podiumsveranstaltung waren die teilweise stark divergierenden Meinungen der geladenen Gesprächsteilnehmer. Trotzdem sollen hier ein paar Punkte herausgestrichen werden, welche eine Art Konsens darstellen:

a) der Wert des Lateins an sich steht nicht zur Debatte, die Gemüter erhitzen sich am Zwang des Lateinobligatoriums für bestimmte Fächer;

b) es wird immer junge Leute geben, welche sich für Latein interessieren; es ist jedoch auch festzustellen, dass das Interesse tendenziell eher nachlässt: welche Konsequenzen daraus erwachsen, ist momentan noch nicht abzuschätzen;

c) es besteht ein gewisses Unbehagen, wie das Lateinobligatorium gegenwärtig an den Schweizer Universitäten umgesetzt wird; insbesondere fehlen allgemein verbindliche Vorstellungen, welche Kompetenzen zu welchem Zweck auf welcher Stufe mit dem Lateinunterricht vermittelt werden sollen.

Den oben aufgeführten Punkten entnehmen wir als Pendenz, dass sorgfältig begründete Stellungnahmen zum Lateinunterricht an den Universitäten aus disziplinärer oder epochenspezifischer Perspektive weitgehend fehlen. Unsere Fachgesellschaften sind nun aufgerufen, die Frage des Lateinerwerbs zu erörtern und entsprechende Empfehlungen zu formulieren.

Die SAGW hat unter ihrem twitter-Account SAGW_CH über die Tagung berichtet (#latein). 

Donnerstag, 7. Februar 2013

Latein ist so viel Wert wie Französisch und eine weitere Fremdsprache zusammen


Am Dienstag, 12. Februar, führt die SAGW an der Universität Bern eine Abendveranstaltung zum Thema «Am Ende des Lateins?» durch. Dabei wird das Pro und das Contra des Lateinobligatoriums in den geisteswissenschaftlichen Studiengängen diskutiert.

Doch was spricht für das Latein in geisteswissenschaftlichen Studiengängen? Hier ein dezidiertes Pro für das Lateinobligatorium für Studierende der Germanistik:
  1. Latein ist für den deutschsprachigen Raum in historischer Perspektive keine Fremdsprache, sondern die Sprache unserer Überlieferung. Bis zur Mitte des 17.Jahrhunderts ist die Mehrzahl aller Publikationen im deutschsprachigen Raum auf Latein verfasst, bis weit ins 19. Jahrhundert hinein ist Latein Wissenschaftssprache. In diesem Sinne ist Latein unverzichtbar für eine selbstständige Auseinandersetzung der Studierenden mit der Kulturgeschichte des deutschsprachigen Raums. Ähnlich gilt dies auch für andere Teile Westeuropas.
  2. Lateinische Texte sind Bezugstexte für deutsche Literatur seit rund 1200 Jahren bis in die Gegenwart, französische Texte seit rund 900 Jahren, spanische und englische seit höchstens 400 Jahren. Wenn die Studierenden also Rezeptionszusammenhänge erfassen wollen, ist Latein die beste Option, auch wenn Französisch, Spanisch, Englisch, Italienisch, Griechisch, Russisch, Arabisch, Tschechisch, Polnisch, Slowenisch, Persisch, Dänisch und Schwedisch ebenfalls hilfreich sind. Im Sinne einer Rechnung könnte man sagen, Latein ist so viel Wert wie Französisch und eine weitere Fremdsprache zusammen.
  3. Grammatikschreibung wird seit 2000 Jahren am Modell des Latein betrieben. Selbst heutige Grammatiken der deutschen Sprache tragen dieses Erbe mit sich. Zum einen ist es also sehr gut, wenn Studierende der Sprachwissenschaft Latein und Lateingrammatik beherrschen, weil sie nur dann die Kategorienbildung der Grammatikschreibung gut verstehen, zum anderen hat sich die germanistische Grammatikschreibung in den letzten Jahrzehnten bemüht, vom Modell Latein abzukommen und grammatische Kategorien zu entwerfen, welche der deutschen Sprache besser entsprechen. Zum Vergleich mit anderen Sprachen sind Konkurrenzmodelle entworfen worden wie etwa die Kategorien der generativen Grammatik. Obwohl heute also latein-unabhängiges Denken gefragt ist, können die traditionellen Kategorien wohl nur dann sinnvoll hinterfragt werden, wenn überhaupt das Verständnis da ist, wozu sie entwickelt worden sind, nämlich für die lateinische Sprache.
  4. Die Vorstellung, dass Deutsch eine vom Latein unabhängige Sprache ist, wäre auch pure Fiktion: Das jahrtausendlange Nebeneinander von lateinischer und deutscher Sprache hat eben auch dazu beigetragen, dass die Weiterentwicklung des Deutschen stark durch das Latein angeregt wurde. Das betrifft nicht nur den Wortschatz, sondern auch die Syntax: Während zum Beispiel im Mittelhochdeutschen sehr viele Nebensätze unterschiedlicher Funktion (wie im Schweizerdeutschen) mit „dass“ eingeleitet werden, hat das Frühneuhochdeutsche am Modell des lateinischen Nebensatz-Systems eine differenzierte Palette von Konjunktionen wie „damit“ und „sodass“ entwickelt. Ähnlich wie für die literarische Rezeption ist also auch für die Sprachgeschichte und die sprachsystematische Analyse des heutigen Deutschen die Kenntnis des Lateinischen unabdingbar.
  5. Es geht aber auch um handwerkliche Fähigkeiten: Studierende aller Wissenschaften müssen bei Studienbeginn eine solide Kompetenz in der grammatischen Analyse von Texten und in der adäquaten Übersetzung fremdsprachiger Texte mithilfe von Wörterbuch und Grammatik mitbringen, damit sie mit fremdsprachiger Literatur und fremdsprachiger Forschungsliteratur umgehen können. Traditionell wird beides im Lateinunterricht vermittelt. Diese Fertigkeiten könnten auch im Unterricht des Deutschen bzw. anderer Fremdsprachen geübt werden, dazu müssten deren Lehrpläne aber deutlich erweitert werden.
  6. Das ist auch ein wichtiger forschungspolitischer Punkt, geht es doch darum, dass Studierende und spätere Forschende nicht nur deutsche und englische Forschungsliteratur, sondern eine weltanschaulich und kulturell breite Palette von Forschungsresultaten wahrnehmen können. Ohne dies ist die eigentlich seit 1968 in den Geisteswissenschaften längst errungene Methodenvielfalt nicht viel Wert. In diesem Sinne wäre zu fordern, dass auch naturwissenschaftliche und technische Studiengänge eine dritte Fremdsprache neben Französisch und Englisch verlangen. Ein Wissenschafts-Pidgin reicht nicht; die Welt ist mehrsprachig und so eng verflochten, dass kulturell differenzierte Kommunikation nötig ist.
  7. Für bestimmte Fächergruppen ist Latein auch heute noch eine sinnvolle und differenzierte globale Wissenschaftssprache: etwa für Theologie, klassische Altertumskunde, die mediävistischen Fächer. Vgl. auch die lateinische Vicipaedia mit zur Zeit 85‘636 Einträgen, auf der Einstiegsseite z. Zt. tagesaktuelle Nachrichten aus den Niederlanden, Brasilien, Indien und Italien!
Sind Sie, liebe Leserinnen und Leser, mit diesen Voten einverstanden oder haben Sie Ergänzungen? Uns interessierts! 

Mittwoch, 6. Februar 2013

Am Ende des Lateins?


Pro und contra Lateinobligatorium für geisteswissenschaftliche Studiengänge – eine Podiumsveranstaltung der SAGW

Das Lateinobligatorium an Schweizer Universitäten für geisteswissenschaftliche Studiengänge stand in letzter Zeit erneut zur Debatte. Einzelne Universitäten oder Fakultäten haben sich für oder gegen die Beibehaltung des Latinums ausgesprochen, andere werden sich dieser Frage noch stellen müssen. So wird jüngst in Basel – in Bern schon länger – auf den formalen Nachweis der Lateinkenntnisse für die meisten Studienrichtungen auf Masterebene verzichtet. Die philosophisch-historische Fakultät der Universität Zürich hält hingegen am Latein fest. Die am häufigsten genannten Gründe für eine Lockerung der Vorschriften betreffen die sinkende Bedeutung des Lateins im Unterricht sowie die Befürchtung, im Wettbewerb um Studierende mit dieser zusätzlichen propädeutischen Hürde nicht bestehen zu können. Die Befürworter halten an der lateinischen Grundausbildung als sine qua non zum Verständnis der europäischen Geschichte und Kultur fest.

Die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) lädt Befürworter und Kritiker zu einem Podiumsgespräch ein, um die Argumente pro und contra Latein gemeinsam mit dem Publikum zu diskutieren. Die Veranstaltung fügt sich ein in den thematischen Schwerpunkt «Wissenschaftskultur der Geisteswissenschaften» der Akademie (www.sagw.ch/geisteswissenschaften).

Pro und Contra Latein

Stimmenfang in den Schweizer Medien: Eine Sammlung von Zeitungsartikeln zum Thema Pro und Contra Latein

http://www.latein.ch/wieso/pro_contra/