Donnerstag, 28. September 2017

Die Altersvorsorge 2020 und der Mahnfinger der Frauen

Dr. Franca Siegfried Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften
Professor Fabrizio Mazzona der Università della Svizzera Italiana und sein römischer Kollege Franco Peracchi wollten wissen, wie sich der Ruhestand auf die Gesundheit der Menschen auswirkt. Darum haben sie die Daten von mehr als 8000 Frauen und Männern der internationalen Share-Studie, eine Langzeiterhebung über Alter und Ruhestand, überprüft. Die beiden Wissenschafter konzentrierten sich dabei vor allem auf Berufe bzw. Tätigkeiten der Protagonisten. Das Fazit von Mazzona und Peracchi? Alle, die körperlich gearbeitet haben, die sogenannten Blue Collar, sind nach der Pensionierung aufgeblüht. Dabei hat sich nicht nur ihr physischer Zustand, sondern auch ihre kognitive Fähigkeit verbessert. Alle, die mit dem Kopf gearbeitet haben, die sogenannten White Collar, haben nach ihrem letzten Arbeitstag körperlich und geistig abgebaut: „We show negative and significant effect of retirement on both health and cognitive abilities.“ (vgl. Fabrizio Mazzonna, Franco Peracchi Unhealthy retirement? Evidence of occupation heterogeneity). Die Studie ist schon drei Jahre alt, trotzdem hat die NZZ am Sonntag am 17. September darüber berichtet. Das Thema könnte nicht aktueller sein und passte zum „Vorsonntag“ der AHV-Reform-Abstimmung. Die NZZ am Sonntag hat es nicht versäumt, auch den Mediziner Albert Wettstein, Co-Leiter des Zürcher Zentrums für Gerontologie zu zitieren: „Die Pensionierung ist eine Krise.“


Der weibliche Mahnfinger
58 Prozent der Frauen haben am 24. September zur Reformvorlage der AHV Nein gesagt. Hätten die Schweizerinnen noch kein Stimmrecht wie vor 50 Jahren, dann wäre die AHV-Reform nicht abgestürzt, denn 51 Prozent der Schweizer Männer haben Ja gesagt. Diese Differenz der Geschlechter deuten die Politologen Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen als Opposition der Frauen gegen die Erhöhung ihres Rentenalters (siehe Artikel von 20 Minuten, 26.09.2017). Diese verkürzte Analyse der Politologen ist heikel: Frauen arbeiten viel, haben oft eine anstrengende Doppelrolle zwischen Familie und Beruf, bekommen gemäss Statistik weniger AHV, verdienen meistens auch weniger im Beruf und haben entsprechend weniger Geld in der Pensionskasse. Jetzt sollen die Frauen schuld sein, wenn der AHV das Geld ausgeht? Das Abstimmungsresultat ist wohl eher ein Signal der Frauen an Politologen, Reformer, Politiker und auch nach Bundesbern. Die AHV ist kein Sozialwerk, das sich nur mit Zahlen bereinigen lässt. Mit der aktuellen Debatte um die Altersversorgung ist eine wichtige Diskussion mit Grundsatzfragen um das Alter entbrannt: Wie wollen wir im Alter leben? Welche sozialen und kulturellen Bedingungen sind für ein humanes Altern notwendig? Geht es dabei wirklich um 70 Franken „Lohnerhöhung“ der AHV-Bezüger und um Rentenalter 65? Wohl kaum. Gegner und Befürworter der Reform, alle sind jetzt gefordert sich mit WissenschafterInnen aus allen Disziplinen, die sich mit Altern auseinandersetzen an einen Tisch zu setzen. Noch basiert das wichtigste Sozialwerk der Schweiz auf Solidarität...


Die Altersguillotine
Was heisst heute „alt sein“? Etwa das Ausscheiden aus dem Beruf? Also werden Männer in der Schweiz mit 65 Jahren alt, Frauen mit 64. Mit der alles bestimmenden Jahreszahl beginnt die Debatte über das Doing Age: Sind es die gesellschaftlichen Gepflogenheiten, die Politiker und die staatlichen Strukturen, die über den älteren Menschen bestimmen dürfen? Die beiden Wissenschafter Fabrizio Mazzona und Franco Peracchi haben es anhand von 8000 Einzelschicksalen bewiesen (siehe erster Blog-Absatz), dass der Ruhestand je nach Beruf gesund- oder krankmachen kann. In einer neuen Publikation des deutschen Psychosozial-Verlages mit dem Titel „Altwerden wie es mir gefällt“ beschreiben die Sozialwissenschafterinnen Angelika Rohwetter und Marlies Böner Zollenkopf das Älterwerden aus verschiedenen Perspektiven. Sie haben mit Frauen und Männer im Alter zwischen 60 und 70 über ihre Lebenssituation gesprochen. Im Fokus dieser Lebensgeschichten steht der Übergang von der Berufstätigkeit zum Ruhestand. Altwerden wie es mir gefällt... Diese Maxime bedeutet, dass es nicht nur allgemeingültige Regeln gibt für Ältere. Es sollte sich jeder reife Mensch an seinen eigenen Impulsen und Möglichkeiten orientieren dürfen: „Für den Psychiater Carl Gustav Jung ist der Zustand der Reife noch ein ganz anderer, nämlich der einer geglückten Individuation, also zu einem wahren Selbst. Wahr bedeutet in diesem Fall – echt, authentisch, glaubwürdig. (vgl. Rohwetter und Böner Zollenkopf).“


Arbeit nach 65: So schröpft der Fiskus die Rentner
Diese Schlagzeile vom 16. September 2017 stammt nicht etwa von der Boulevard-Presse – mit dieser Zeile hat die NZZ am Sonntag seine LeserInnen wachgerüttelt. Ob der Artikel das Abstimmungsresultat beeinflusste, darüber gibt es keine Statistik. Tatsache ist, dass nach der Pensionierung freiwillig zu arbeiten unattraktiv ist. Die Steuern steigen in eine höhere Progression, da mit AHV und Pension das Einkommen steigt. Aber genau in diesem Punkt sind grundsätzlichere Reformen gefragt für alle, die noch nicht müde sind und weiterarbeiten möchten. Was ist mit dem Mangel an Fachkräften, der sich in den nächsten Jahren zuspitzen wird, weil die Babyboomer in Rente geschickt werden? Eine angemessene Steuerreform für arbeitende „junge Alte“ wäre eine Win-Win-Situation für Wirtschaft und Gesellschaft. Nebenbei: Dieser steuerliche Aspekt hätte sich in der abgelehnten AHV-Reform weiter verschlechtert.


Adieu Altersvorsorge 2020
„Das Schweizer Stimmvolk hat am Sonntag das grosse Reformprojekt Altersvorsorge 2020 relativ deutlich bachab geschickt. Für die Schweizer Presse ist klar, dass jetzt eine Disskusion über die Erhöhung des Rentenalters folgt“, so lautet eine Stimme in der Presseschau auf der Webseite von „Ageing Society“. Just zwei Wochen vor der besagten Abstimmung wurde eine neue Plattform «a+ Platform Ageing Society» im Internet aufgeschaltet. Die Akademien der Wissenschaften Schweiz lancieren zusammen mit der Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften sowie mit 29 Partnern und weiteren Stakeholdern diese Webseite. Damit sichern sie Überblick und Zugang zu aktuellen Informationen, Studien und partizipieren an dem Globalen Strategie- und Handlungsplan zum gesunden Altern der Weltgesundheitsorganisation WHO: http://www.ageingsociety.ch/ageing-society.html

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Donnerstag, 21. September 2017

Mach das doch selber

Dr. Franca Siegfried Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften
Herzlich willkommen! Seit diesem Juli ist das Hotel mit 21 Zimmern in Uster eröffnet. „Durch das top moderne ‚Self Check-in-Konzept“ bietet Ihnen das Hotel Tilia höchste Flexibilität bei der An- und Abreise“, so steht es auf der homepage. Im Hotel arbeitet keine charmante Rezeptionistin oder ein leutseliger Concierge. Der Gast vom Tilia übernimmt mit Self Check-in ihre Arbeit, ohne Trinkgeld und ohne zu murren – alles im Dunst der Anonymität.

Der schuftende Kunde
Tickets daheim ausdrucken, Koffer einchecken – Kunden arbeiten, ohne dass sie einen Franken Lohn bekommen. Die Internationale Air Transport Association, Iata hat die Swiss für den Self-Service ausgezeichnet – 80 Prozent der Passagiere können selber einchecken. Bald steigen alle Fluggäste ohne menschlichen Kontakt ins Flugzeug. Iata schätzt, dass sich dank Self-Service weltweit 1 Milliarde Dollar sparen lässt. Seit G. Günter Voss als Co-Autor die soziologische Studie «Der arbeitende Kunde» vor zwölf Jahren publizierte, hat sich viel verändert. Inzwischen sind alle Branchen vom Self-Service-Virus infiziert. In Online-Foren helfen sich Kunden gegenseitig – die Hotline ist entlastet. Über Social Media verteilen sie Likes, auf Buchungsplattformen schreiben sie Bewertungen. Oder Kunden unterstützen begeistert das Guerilla-Marketing bei Neulancierungen von Apple, indem sie vor dem Store stundenlang ausharren.

Es gibt immer was zu tun
Ein Stadtrand ohne Baumarkt ist heute wie ein Dorf ohne Kirche. In den 1950er-Jahren begeisterten sich Europas Männer für den amerikanischen Do-it-yourself-Trend, seither boomt der Baumarkt. Damals bekam der Vater einen Bastelkeller, der zum männlichen Refugium erklärt wurde: Darin durfte er hämmern und seiner Familie vorführen, wo sein Hammer hängt. Mit dem Bastelraum liess sich die Geschlechterrolle in der Nachkriegszeit bestens zementieren: Die Mutter am Herd – der Vater im Bastelkeller. Dieses Massenphänomen hat der deutsche Historiker Jonathan Voges in seinem Buch «Selbst ist der Mann» beschrieben.

Self-Scanning
Dem handwerklichen Selbermachen eröffnet die Digitalisierung weitere Dimensionen. Hier geht es nicht nur um Basteln und Geschlechterrollen, sondern um Automatisation und Gewinnmaximierung: Unternehmen setzen Kunden als Produktionsfaktor ein. Coop verfügt über 1400 Self-Scanning-Kassen und es sollen noch mehr werden. Inzwischen scannt jeder dritte Kunde seine Einkäufe selber ein: Einfach, zeitsparend, anonym ohne jeglichen Menschenkontakt. Diese Szene, wie die Kassiererin von ihrem Drehsessel aufsteht und mit einer nichtabgewogenen Banane in die Früchteabteilung schreitet, die ist mit Self-Scanning passé. Für die wenigen Minuten einscannen wird jeder Kunde zum Coop-Angestellten. In diesem Fall ist sogar die Geschlechterrolle neutralisiert. Waren es meistens Frauen, welche die Kassen bedienten, sind es bei den Kunden Frauen wie Männer, die sorgfältig ihre Banane über den Scanner ziehen. In fünf Jahren soll jedoch auch das Einscannen vorbei sein. Danach wird nur noch eine grosse Datenwolke alles speichern, abrechnen und dabei wichtige Informationen über jeden Kunden sammeln.

Bewegungsprofil
Die neue App heisst nicht let’s go, sondern Lezzgo: Mit dem Mobil in der Tasche reisen ohne Vorauszahlung. Beim Einsteigen auf seinem Mobil mit einem Klick einchecken. Die Reisestrecke wird per GPS und Mobilfunk erfasst – beim Aussteigen ausklicken, danach wird abgerechnet. Partner in dem Pilotprojekt sind SBB, BSL und Post Auto – eine Testphase läuft seit diesem Sommer. Der Datenschutz wird noch viel zu diskutieren geben, etwa auch wie lange das Bewegungsprofil eines Reisenden gespeichert werden darf. Das Bewegungsprofil eines Koffers ist vom Datenschutz her weniger problematisch. Dank eines Chips, der am Koffer befestigt wird, weiss der Kunde bei der amerikanischen Fluggesellschaft Delta Air genau, wo sich sein Koffer gerade befindet. Diese RFID-Technik oder radio-frequency identification wird die Gepäckabwicklung nochmals revolutionieren.
  
Do-it-yourself Wetterfrosch
Das Wetter ist meistens die einzige, nachhaltige News am Morgen im Radio oder auf dem Mobil. Je nach Prognose muss der Schirm eingepackt werden und wehe der Meteorologe lag falsch. Darum hat die Idee des Berner Geografen Urs Neu durchaus Bestand. Warum basteln wir uns unsere Wetterprognose nicht selber, fragte er sich und schrieb ein Meteorologiebuch für Laien. Urs Neu kennt die besten, frei zugänglichen Wetterkarten im Internet, damit jeder auch die 500-hPa-Höhenwetterkarte verstehen kann. Werden durch die Self-Wetterprognosen etwa auch die TV-Meteorologen-Trio Bucheli, Boner und Eitel wegrationalisiert werden? Immerhin haben schon viele Dienstleister wegen dieser Self-Bewegung ihren Job verloren. https://www.haupt.ch/Verlag/Buecher/Natur/Weitere-Naturwissenschaften/Do-it-yourself-Wettervorhersage.html
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Donnerstag, 14. September 2017

Über die Kunst des humanen Alterns

Dr. Franca Siegfried Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften
Age-Shaming, New-Age, doing Age, Best Ager und age-friendly Cities... könnte die Sprachverwirrung am Turmbau zu Babel etwa auch zum Sinnbild für die neue Kultur des Alterns werden? Tatsache ist, dass die zwischen 1946 und 1964 Geborenen die demografische Entwicklung der Schweiz in den nächsten Jahren dominieren werden. Diese geburtenstarke Kohorte gibt sich mit den gängigen Stereotypen des Alterns keineswegs zufrieden. Eine soziokulturelle Verjüngung ist schon jetzt beobachtbar und widerspricht Negativszenarien, die eine Vergreisung der Gesellschaft ankündigen. Auf der Suche nach einem guten Leben sorgen die neuen, fitten oder zukünftigen „Best Ager“ für eine gesellschaftliche Debatte, welche auch die Wissenschaft in allen Disziplinen beschäftigt.

Altern gehört zum Leben
Wie im Alten Testament leiden im Age-Babylon auch Menschen an Selbstüberhöhung: So haben sich die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin das Ziel gesetzt, den Tod zu überwinden (siehe NZZ am Sonntag, 10.9.2017). Bis jetzt lässt sich jedoch das biologische Altern nicht stoppen, obwohl schon Milliarden an Forschungsgeldern investiert wurden. Den Biotechnologen kommt das soziologische Alter in die Quere: Die Lebenserwartung ist auch vom sozialen Status und der Bildung abhängig. Im European Observatory (2015) des Gesundheitssystems liess sich aufzeigen, dass Männer in der Schweiz mit einer Volksschulausbildung fünf Jahre weniger lang leben als mit einer tertiären Ausbildung. Nicht nur die 21 Chromosomen beeinflussen das Altern, sondern wer ohne Anerkennung, Respekt und fremdbestimmt leben muss, der altert schneller. Folgerichtig ist eine Altersforschung in den Kultur-, Sozial- und Geisteswissenschaften besonders gefragt – siehe Dossier im SAGW-Bulletin 1/16 „Gesund altern in der Schweiz“.

«a+ Platform Ageing Society» vernetzt Wissen für alternde Gesellschaft
Für einen inter- und transdisziplinären Wissensaustausch lancieren die Akademien der Wissenschaften Schweiz zusammen mit der Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften eine Internet-Plattform. Seit dem 13. September ist die Webseite mit 29 Partnern und weiteren Stakeholdern aufgeschaltet. Damit sichert sie nicht nur den Überblick, sondern auch den Zugang zu aktuellen Informationen, Studien und partizipiert an dem Globalen Strategie- und Handlungsplan zum gesunden Altern der Weltgesundheitsorganisation WHO:

Eine unheilige Debatte
„Soziale Stellung und Ansehen alter Menschen wurden im christlichen Europa – im Vergleich zu vielen aussereuropäischen Kulturen – durch zwei kulturelle Besonderheiten geschwächt: Zum einen schloss die christliche Religion Ahnenverehrung und Ahnenkult aus, was Ansehen und Stellung alter Familienmitglieder verringerte“, schreibt der Soziologe François Höpflinger im Sammelband „Kulturen des Alterns“ (vgl. Höpflinger, Hrsg. Zimmermann et al., 2016, Campus Verlag). Zum anderen praktizierte die Kirche eine Aufwertung der Ehe und zugleich eine Abwertung der Sippenregeln. Mit dem Durchbruch der Industrialisierung und der Schaffung der Sozialwerke wurde die Stellung alter Menschen in der Gesellschaft noch schlechter. Aktuell verstärkt sich mit der Schieflage der AHV und der kommenden Abstimmung eine Debatte zwischen den Generationen. Die junge FDP-Präsidentin Petra Gössi schnödet über Senioren, die ihre Rente im Ausland verjubeln. Verursachen alte Menschen nur noch Kosten?

Das Alter im Witz
Im Sammelband „Kulturen des Alterns – Plädoyers für ein gutes Leben bis ins hohe Alter“ (Campus Verlag) haben 29 Wissenschafter aus unterschiedlichen Disziplinen ihre Gedanken und Erfahrungen publiziert. Die Geisteswissenschafterin und Medizinerin Franziska Polanski machte eine empirische Studie über Altersbilder in Karikaturen und findet im Bilderwitz längst überholt geglaubte Altersstereotypen. Negative Altersbilder haben sogar in den letzten Jahren in Karikaturen zugenommen. Beweist der Anstieg von einseitig defizitären Darstellungen des Alters eine Gegenreaktion auf das neue Leitbild vom aktiven „Alten“, fragt sich Franziska Polanski (vgl Polanski, Hrsg. Zimmermann et al., 2016, Campus Verlag).

Age-Shaming
«Ich schwamm mit einem 80-jährigen Mann über einen See und hatte Mühe mitzuhalten, ich rannte mit einer 86-jährigen Frau durch den Wald, und das lauteste Schnauben auf der Kamera war meines», sagt der 29-jährige Regisseur des neuen Schweizer Films «Aktiv ins Alter». Manuel Schweizer erzählt die Geschichten von Menschen, die das Leben mit Leidenschaft angehen und das tun, was sie glücklich macht. Schweizers Protagonisten im Film leiden nicht am so genannten Age-Shaming und ignorieren ihr biologisches Alter. Die Schönheitsmediziner jedoch profitieren vom Age-Shaming und haben sich auf Falten, Furchen, Altersflecken und Hängebusen spezialisiert. Diese Mediziner machen sich im Geschäft mit der Schönheit wenig aus Krankenkassentarifen und ethischen Fragen: Es gilt der Wunsch der Klienten nach jungem Aussehen.

Doing Age
Esther Gajek der deutschen Universität Regensburg hat anhand von Seniorenprogrammen in deutschen Museen aufgezeigt, wie die über 65-Jährigen als senil abgestempelt werden und damit das defizitäre Bild des geistigen Potentials im Alter zementieren. Demzufolge fordert Esther Gajek eine differenzierte Museumspädagogik: „Alter ist kein Schicksal, sondern wird gesellschaftlich konstruiert“, schreibt die Kulturwissenschafterin (vgl.Gajek, Hrsg. Zimmermann et al., 2016, Campus Verlag).

Age-Friendly
Was geht in einer alternden Gesellschaft vor, fragt sich auch der Soziologe Klaus R. Schroeter (vgl.Gajek, Hrsg. Zimmermann et al., 2016, Campus Verlag). Das Alter ist nicht mehr grau, sondern bunt und schillernd geworden. Das Alter ist auch nicht mehr Schicksal, sondern eine zu bewältigende Aufgabe in der dritten Lebenszeit. Ein „Alterskraftunternehmer“ muss sich als „Ich-AG“ in Eigenregie verwalten. Wohnt er in einer age-friendly City ist ihm der Weg offen für ein gelindes Altern. Als altersfreundlicher Ort hat Riehen bei Basel Modellcharakter. In der wohlhabenden Gemeinde ist jeder dritte Einwohner über 65 Jahre alt, entsprechend hat sich die Infrastruktur angepasst. Der Karikaturist Felix Schaad illustrierte im Tages-Anzeiger (24.7.2017) die Rushhour in „Geriat-Riehen“ mit Rollator, Rollstuhl, Nordic Walking Stock und E-Bike...




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