Mittwoch, 27. März 2013

Wahrnehmung der Geisteswissenschaften in der Gesellschaft


Ein Beitrag von Marlene Iseli, SAGW

Ende Oktober vergangenen Jahres äusserste sich Bundesrat Johann Schneider-Amman, dem seit Anfang 2013 das neu strukturierte Departement für Wirtschaft, Bildung und Forschung unterstellt ist, zur Maturitätsquote und warnte vor zu vielen Maturanden. Dies löste eine heftige Debatte aus, wobei nicht zuletzt die Geisteswissenschaften ins Schussfeld gerieten, seien sie doch letztlich für die Wirtschaft nicht offensichtlich rentabel.

Auch im Zusammenhang mit der Debatte um den Fachkräftemangel bei den MINT-Berufen wurden einige Seitenhiebe gegen die für allzu viele junge Menschen attraktiven Geisteswissenschaften ausgeteilt, Klischees wie taxifahrende Philosophieabgänger und arbeitslose Doctores philosophicae wurden wiederholt bedient. Im Kampf um knapper werdende Ressourcen und zunehmend fehlende Arbeitskräfte infolge des demographischen Wandels wird ein Nährboden geschaffen, um Berufsbildung gegen akademische Bildung, Ingenieurwissenschaften gegen Geisteswissenschaften und Wirtschaftlichkeit gegen kulturellen Reichtum auszuspielen. Es erstaunt nicht, dass im Lichte der medial geführten Debatte auch die Geisteswissenschaften unter Druck geraten.

Relevanz der Geisteswissenschaften sichtbar machen
Dabei präsentiert sich die Lage der Geisteswissenschaften in Zeiten grosser gesellschaftlicher Herausforderungen alles andere als schlecht. In einer kulturell heterogener gewordenen Gesellschaft verstärkt die zunehmende Wahrnehmung grenzüberschreitender Phänomene das gesellschaftliche Interesse nach identitätsbildendem Orientierungswissen. So haben technische Entwicklungsprozesse auch immer eine soziale Komponente, Gesundheitsfragen verlagern sich vermehrt von den medizinischen Befunden zu übergeordneten Fragen nach Lebensqualität und sozialen Dispositionen. Neue Gesellschafts-, Familien-, Lebensformen und -Strukturen dürsten nach Wissen um Religiosität, Tradition und Innovation, transkulturelle Kommunikation und Medialität. Das Positionspapier «Für eine Erneuerung der Geisteswissenschaften» der SAGW setzt sich auf übergeordneter Ebene dafür ein, dass die Relevanz der Geisteswissenschaften gestärkt wird, auch in der gesellschaftlichen Wahrnehmung dieser Disziplinen, die sich mit dem Handeln und Hervorbringungen der Menschen in ihrer ganzen Vielfalt beschäftigen.

«The discussion must go on»
Ob sich stark haltende Vorurteile abbauen lassen...? Dies bleibt zu hoffen, in der veröffentlichten Diskussion um die employability stossen stichfeste Argumente gegen die vielzitierte Arbeitsmarktproblematik der Geisteswissenschafter offenbar immer noch regelmässig auf taube Ohren... Aber man weiss, man kann erst entscheiden, ob man Rosenkohl mag, wenn man ihn mindestens zehn Mal probiert hat.


Hinweis
Am 24. Mai stellt die SAGW das Positionspapier «Für eine Erneuerung der Geisteswissenschaften» zur Diskussion. Auf dem Podium sind Heinz Gutscher (Präsident der SAGW), Markus Zürcher (Generalsekretär der SAGW), Walter Leimgruber (Moderation, Vorstandsmitglied der SAGW), Angelika Kalt (Stellvertretende Direktorin SNF), Mauro Dell’Ambrogio (Staatssekretär des Staatssekretariats für Bildung, Forschung und Innovation), Danielle Chaperon (Prorektorin Lehre, Uni Lausanne), Wolfgang Fuhrmann (Ko-Präsident der Vereinigung akademischer Mittelbau der Universität Zürich VAUZ und Vorstandsmitglied von actionuni).
Beteiligen Sie sich an der Debatte! Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Im Bulletin 2/13 der SAGW nehmen ausgewählte Persönlichkeiten Stellung zum Positionspapier. Sie finden das Bulletin ab Mitte April unter: www.sagw.ch/bulletin




Donnerstag, 21. März 2013

Europa muss sich auf seine Stärken besinnen

Ein Beitrag von Paul Messerli und Rainer Schwinges

Viele Europäer fühlen sich in der Defensive: Krise, wohin man schaut, in der Finanzwelt, in der Praxis der Demokratie, in der Verteidigung der Menschenrechte, gegenüber der globalen Konkurrenz, bei der Integration der Europäischen Union. Europas Staatengemeinschaft ist drauf und dran, ihre Fähigkeit zu verlieren, diese Krisen aus dem Wissen um ihre Stärken zu meistern und eine proaktive Rolle in der neuen Weltordnung zu spielen.

In jüngster Zeit haben verschiedene bekannte Autoren ihre Sicht zur Lage und Bedeutung „des Westens“ in der heutigen Welt vorgestellt. Sie konvergieren in der von Francis Fukuyama gemachten Aussage, die westliche Welt sei immer noch das einzige globale Erfolgsmodell, allen Schwächen zum Trotz. 

Wer vom Westen spricht, meint die Welt demokratischer Sozialstaaten mit kapitalistischen Marktwirtschaften; sie umfasst also neben Europa als Ursprung dieser Staats- und Gesellschaftsformation die Staaten der Welt, die dem normativen Projekt des Westens verpflichtet sind. Zu diesem Projekt gehören nach Heinrich August Winkler(1) die unveräusserlichen Menschenrechte, die Idee der Herrschaft des Rechts, die Gewaltenteilung und die Volkssouveränität. Winkler fordert Europa auf, den alten Westen glaubwürdig zu repräsentieren, mit der Begründung, die USA hätten heute durch religiös-fundamentalistische Tendenzen eine zu grosse Distanz zur Aufklärung eingenommen. Europa ist also doppelt gefordert, weil sich der Systemwettbewerb mit den neuen Aufstiegsmächten China vorab und Indien verstärkt und die Krise die gegenwärtige Position des alten Westens schwächt. Die Krise kann aber gleichzeitig Chance sein, durch Rückbesinnung auf die in der Geschichte angelegten und  erstrittenen Fähigkeiten erneut ein erfolgreicher Akteur auf der Weltbühne zu sein. Die Frage stellt sich also, worauf sich denn Europa besinnen soll und muss, wenn daraus die Kraft, durchaus im Sinne von Innovationskraft, und das Vertrauen in die gemeinsame Zukunftsgestaltung erwachsen soll? 

In Europa hatte sich eine Innovationskultur entwickelt, die mindestens seit dem industriellen Zeitalter einen materiellen und institutionellen Vorsprung gegenüber anderen Teilen der Welt sicherte. Dass man anderswo in der Welt andere Wege gegangen ist und geht und offenbar damit Erfolge erzielt, ist unbenommen und über dies lehrreich. Europa hat immer schon von anderen gelernt und ist gut beraten, dies auch künftig zu tun. Aber es sollte sich auch seiner eigenen Stärken bewusst sein. China zum Beispiel macht es dem Westen vor. Es trägt nicht nur die Last seiner Geschichte von 2000 Jahren, sondern setzt sie aktiv als ungebrochenes Erfahrungsreservoir ein. 

Bereits im vormodernen, teils mittelalterlichen Europa waren Elemente und Antriebskräfte angelegt, die wesentlich die Moderne ausmachten und von denen wir heute noch profitieren. Sie betrafen nie ganz Europa, sondern schieden West und Ost, haben Europa aber zugleich gegenüber anderen Kulturen ein unverwechselbares Gesicht und auch ein spezifisches Klima für Innovationsprozesse gegeben. Einzelne Elemente mögen bereits in der Antike vorhanden gewesen sein, doch erst in ihrer Verknüpfung miteinander in einer ersten fundamentalen Aufbruchs- und Expansionsphase der europäischen Geschichte vom 11. zum 13. Jahrhundert haben sie Neues für die Zukunft auf den Weg gebracht.
Zu diesen Elementen zählt – man kann mit dem Historiker Thomas Nipperdey(2) sechs markante benennen –, dass Europa selbst erst einmal als politisch-kulturelle Wirklichkeit entstanden ist. Dabei erkannte man sich in seiner Vielfalt von Völkern und Sprachen und entwickelte ein inneres Bewusstsein vom „Wir“: wir Franzosen, wir Tschechen, wir Bayern, das positive, auf sich selbst bezogene Orientierung beinhaltete und nicht nur gegen Andere gerichtet war. Dieses Europa war damals ein (papst-)christlich geprägtes Europa, das zum kulturellen Erbe geworden ist. Eines der grossen Themen, die Trennung der geistlichen und weltlichen Institutionen, ist bereits im ausgehenden 13. Jahrhundert praktisch vollzogen worden, was im historischen Prozess am Ende Liberalität und Säkularität bedeutete. Papsttum und Kaisertum fochten die Sache aus; doch vom Herrschaftsanspruch des Papsttums ist nichts geblieben.

Ein zweites Element ist das Christentum selbst, insofern es den Wert des Individuums trotz aller Institutionalisierungen in Kirchen und Gemeinden, Dogmatik und Recht betont. Es ist eine Gewissensreligion, die zur Annahme persönlicher Schuld und Verantwortung auffordert. Das setzte subjektives und dynamisches Handeln frei und mündete nicht zuletzt in der Überzeugung, die Zukunft zu gestalten sei in die eigenen Hände zu nehmen.
Bildung und Wissenschaft sind ein drittes Element, institutionalisiert in der Universität als einer westeuropäischen Erfindung. Sie hat Bildung und Wissenschaft als produktive Elemente in die Gesellschaft eingeführt und sie prinzipiell für alle zugänglich gemacht. 
Zum vierten muss man die Stadt als Sozial- und Rechtsform hervorheben, die neben Markt und Selbstregierung auf dem vertraglichen Ausgleich zwischen Herrschaft und Genossenschaft basierte. Über Bürgerrechte und grundsätzliche politische Partizipation legte sie die Wurzeln des modernen Bürgertums.

Als ein weiteres Element gilt der sich früh aus den Ständen formierende Staat. Amtleute, gelehrte Experten, Kaufleute, Bürger, halfen dabei, die Feudalsysteme zu überwinden. Ihre Beteiligung in den Parlamenten, Häusern, Reichs- und Landtagen führte letzten Endes zum konstitutionellen Staat.
Schließlich ist die spezifische Rechtskultur zu nennen: Gelehrtes Recht überlagerte Gewohnheits- und Partikularrechte und sicherte verbriefte Freiheiten, die Ursprünge aller konkreten Freiheiten, die über viele, nicht zuletzt auch revolutionäre Wege, zu den modernen Menschenrechten führten. 
Diese sechs Elemente, konstituieren grundsätzlich die westliche Zivilisation; sie bilden seit der Aufbruchszeit des hohen Mittelalters die ideellen und institutionellen Grundlagen der modernen Entwicklung. Seit der neuerlichen Aufbruchszeit des 18./19. Jahrhunderts traten als deren materielle Grundlagen Agrarmodernisierung und Industrialisierung hinzu und wurden zu den zentralen Wachstumskräften. Diese gewaltigen Innovationen entstanden in Europa in Konkurrenz seiner Staaten untereinander, aus Knappheiten in der Ressourcenausstattung und der Versorgung mit Nahrungsmitteln bei wachsender Bevölkerung. Im Vergleich mit China zu jener Zeit kann man dort nicht etwa technologische Rückständigkeit, sondern Überfluss bei fehlender Konkurrenz feststellen.
Europa bot ein dynamisches Umfeld in Vielfalt und kreativer Zersplitterung bei gleichzeitigem grenzüberschreitendem Austausch von Ideen und Wissen über die Netzwerke der Höfe, der Klöster und Kirchen, der Städte und der Universitäten. Die Vielfalt des Lernens stimulierte den Wettbewerb der Ideen, Technologien und Institutionen, was den europäischen Entwicklungspfad bis heute auszeichnet. Konfliktfrei verlief das alles nicht, im Gegenteil, viele Kriege wurden geführt, innerhalb wie ausserhalb, und oft genug hat Europa schmerzhaft erfahren müssen, dass seine Errungenschaften letztlich Resultate des Kampfes mit sich selbst gewesen sind, wie jetzt auch wieder in der Krise, die offenbar wesentlich eine Krise des Zusammenwachsens ist.

Diese institutionellen und materiellen Errungenschaften bilden für die europäischen Staaten die gemeinsamen Voraussetzungen für das Einstehen gegen die Gleichheit von Nation und Macht in einem Staat, und für die Teilung der Macht im Rahmen von staatlichen und überstaatlichen Institutionen. Sie können sich gegen Anarchie stellen, gegen Klientelismus und Korruption und für die Herrschaft des Rechts eintreten.

Sie können sich gegen „Dynastien“ und Gemeinschaften wenden und den Vorrang des Individuums mit seinen persönlichen Bedürfnissen behaupten. Sie können gegen Fatalismus und Laissez-faire vorgehen und die Eigenverantwortung zur materiellen Lebenssicherung einfordern. Sie können gegen fremde, „feudale“ Verfügungsgewalt über Boden und Arbeit eintreten und Besitz, Eigentum und Erbe garantieren.

Damit verfügt Europa über Ordnungssysteme zur Konfliktregelung in zentralen Lebensbereichen, die von einer über Europa hinausreichenden, modellhaften Bedeutung sein dürften: Es sind dies das öffentlich-rechtliche, wirtschaftliche und kulturell-institutionelle Ordnungssystem.
Im ersteren muss es immer wieder gelingen, das partikulare Prinzip der Nation und das universalistische Prinzip der rechtlichen Gleichheit aller Bürger in einem Staat zu verbinden. Die europäische Integration weist wiederum den Weg zu Spielregeln, die das Partikulare der Nationalstaaten und das Universale der demokratisch gleichberechtigten Mitgliedsstaaten ausgleichen. 

Das wirtschaftliche Ordnungssystem verbindet individuelles Gewinnstreben im Rahmen der Marktwirtschaft mit sozialem Ausgleich. Es ist zurzeit massiv unter Druck geraten und muss die Finanzierung der Sozialwerke infolge des demographischen Wandels neu regeln, ohne dabei die Prinzipien der sozialen Marktwirtschaft aufzugeben. Nach wie vor bietet der europäische Wettbewerbsraum aber ein Labor für die Weiterentwicklung wirtschaftlicher Ordnungssysteme, nicht zuletzt mit Blick auf jene Länder, die sich bisher trotz aller Krisenerscheinungen gut gehalten haben, wie zum Beispiel  die Schweiz und die skandinavischen Länder.

Kern des kulturell-institutionellen Ordnungssystems ist die Institution Wissenschaft, wie sie sich seit etwa 1750 in einem dynamischen Prozess entwickelte, getrieben von der menschlichen Neugier und befreit von religiösen und ideologischen Ge- und Verboten. Die subversive Kraft dieser Botschaft ist in vielen Weltgegenden angekommen, weil sie Fortschritt und Wohlstand verspricht. Wissenschaft und Bildung sind die Teile der westlichen Kultur, die als zentrale Modernisierungselemente in verschiedene Kulturen Eingang gefunden haben. Mit Fug und Recht kann man behaupten, dass in alledem der Schlüssel zu jenen Qualitäten liegt, die Europa so attraktiv für die Zuwanderung machen: die politische Stabilität, die wirtschaftliche Prosperität und die erprobten Mechanismen des sozialen Ausgleichs als tragende Säulen bürgerlicher Demokratien.

Ein Blick auf die Ausstrahlung der Errungenschaften auf andere Kulturen, die Europa heute herausfordern, zeigt, dass nie das Ganze, sondern nur Teile übernommen werden, so etwa demokratische Grundrechte in Indien, marktwirtschaftliche Strukturen in China. Übernehmende sind vor allem die neuen Mittelschichten, die sich in ihren Lebensformen und Lebensentwürfen an europäische bzw. westliche Vorbilder anlehnen. Wie die europäische Erfahrung lehrt, waren immer die Mittelschichten in wirtschaftlicher, kultureller, aber auch politischer Hinsicht besonders agil, nur dass sie heute unter dem Einfluss der wirtschaftlichen Krisen zu erodieren beginnen, während sie in den aufstrebenden Schwellenländern schnell an Bedeutung gewinnen. Daran die Prognose zu knüpfen, dass auch in autoritären Wachstumsländern wie China der aufstrebende Mittelstand weitergehende, vor allem politische Freiheits- und Beteiligungsrechte einfordern wird, mag berechtigt sein, sie kann aber auch grundsätzlich bezweifelt werden. Denn die Stellung des Individuums in der Gesellschaft und gegenüber dem Staat bleibt gerade in China stark in der konfuzianischen Tradition verhaftet, somit untergeordnet.

Worauf man sich in Europa besinnen muss, um seine Errungenschaften und Freiheiten nicht nur zu bewahren, sondern wirklich zu leben, unbesehen alternativer Wege zu Wohlstand und Macht, ist ein Doppeltes: einerseits das „Wir-Europäer“ in dieser Welt durch einen gemeinsamen politischen Kurs gegenüber den aufstrebenden Weltmächten glaubhaft zu demonstrieren, andererseits die gewachsenen Unterschiede und die Vielfalt in Europa zu erhalten, aus denen immer wieder im Wettbewerb der Ideen Neues entstanden ist. Unter diesen Vorzeichen wird Europas Errungenschaften und Institutionen weiterhin globale Aufmerksamkeit zukommen. Der Weg dahin mag weiterhin krisenhaft sein, wie das auch Andreas Wirsching(3) in seinem jüngsten Buch aufzeigt  und wir es eben erleben. Der europäische Integrationsprozess ist aber unumkehrbar und  jede Krise bringt dieses neue, erweiterte Europa einen Schritt weiter, wenn es denn die genannten Errungenschaften verinnerlicht und konsequent zum Massstab der Mitgliedschaft macht. 

Europa muss aber auch erkennen und anerkennen, dass andere Wege in andern Kulturen in kurzer Zeit zu wirtschaftlicher und politischer Macht führen können. Und so gilt es im klaren Bewusstsein einer gemeinsam geteilten und zu teilenden Geschichte, den Risiken und Unwägbarkeiten in diesem Globalisierungsprozess durch Vertrauen in die europäischen Institutionen zu begegnen. 

Literatur:
(1) Heinrich August Winkler 2009/11: Geschichte des Westens; C.H. Beck.
(2) Thomas Nipperday 1998: Deutsche Geschichte; C.H. Beck.
(3) Andreas Wirsching 2012: Der Preis der Freiheit. Geschichte Europas in unserer Zeit. C.H. Beck.

Dienstag, 12. März 2013

Brief an den zukünftigen Papst

Erwin Koller, Journalist und Theologe


Lieber demnächst gewählter Bischof von Rom

Wie wenige andere Lebensbereiche hält die Religion Figuren bereit, die sich dem Tagesgeschäft entziehen, überzeitlich sind und manchmal gar von archaischer Kraft. Darunter findet man den stets der nächsten Wiedergeburt entgegen eilenden Dalai Lama und eben auch das Amt, das du übernommen hast, das Papsttum, Prototyp aller Väter, Patriarchen und geistlichen Herren. Nur schon dass du dich Stellvertreter Christi nennen kannst, obwohl jener doch gesagt hat: «Ihr sollt euch nicht Vater nennen, denn einer ist euer Vater, der im Himmel», zeigt ja, dass dein Amt eigentlich viel älter ist als das Christentum, archaischer als jede Prophetie, jenseits jeder Reformation, unzugänglich für jede Kritik und doch mehr bejubelt als alle Stars der Welt. Ein Pontifex eher nach dem Muster des Römischen Kaisers als des Zimmermanns von Nazaret.

Du folgst einem, der vor acht Jahren unter diese Maske geschlüpft ist und dann unerwartet aufgegeben hat. Der kluge Mensch machte damit dieses Amt zum Job, von dem man zurücktreten kann, wenn die Kräfte nicht mehr reichen. So selbstverständlich das erscheint   das war nicht vorgesehen. Von der Hinfälligkeit des Inhabers haben wir zwar immer gewusst. Doch das Amt stand darüber und um auszuscheiden gab es nur einen Grund, den letzten, den Tod. Vater bleibt man ein Leben lang.

Doch alle Vorkehrungen sind nun getroffen, damit das Räderwerk an Ostern wieder seinen gewohnten Gang nimmt. Die archaische Mechanik der römischen Kurie wird sich von dieser Episode nicht aus der Ruhe bringen lassen.

Oder vielleicht doch? Ist ein aufkündbares Amt noch dasselbe? Hat da Benedikt XVI. nicht – ohne es zu wollen – einen Mythos entzaubert und das Amt auf menschliche Masse zurückgenommen? Wird die Grenze, die der Demissionär seiner Amtszeit gesetzt hat, andere Grenzen nach sich ziehen? Schon Johannes Paul II. hat ein Überdenken des Papstamtes gefordert, weil es das grösste Hindernis für die Ökumene ist. Sollte man damit nicht endlich ernst machen?

Darum, lieber Bischof von Rom: Entfordere dich! Mach‘s wie dein Vorgänger vor 50 Jahren: «Giovanni, nimm dich nicht so wichtig!» Teile deine Verantwortung, sonst ist dein Amt unmenschlich. Du hast 200 Kardinäle und über 4000 Bischöfe. Lass sie ihre Kompetenzen, die sie ja nach Recht und Verfassung haben, auch wahrnehmen! Sie sollen deine Verantwortung für die Weltkirche mittragen. Und vor allem: Gib ihnen den Raum, den sie brauchen, um ihre Kirche in ihrer Kultur zu verankern! Freu dich, wenn tausend Blumen blühen! Römischer Eintopf, tagtäglich, bekommt uns nicht. Und bestelle dafür die Fähigsten, nicht die Willfährigsten! Dein Vorgänger ist angetreten mit der Devise: Kampf der Diktatur des Relativismus. Doch Hand aufs Herz: Ist in deinem Amt nicht eine andere Gefahr viel grösser: die Diktatur des Absolutismus?

Und dann entstaube deine Ämter! Man hat in deiner Kurie im Lauf der Zeit viel zu viel für heilig erklärt. Es mag dir doch genügen, wenn es menschlich zu und her geht. Schaffe Transparenz! Wem du Verantwortung gibst, der soll hinstehen für das, was er tut! Und lass dir nicht von Intriganten alles in die Schuhe schieben! Konzentriere dich auf das Wesentliche! Als dein Vorgänger sich bei seinem letzten grossen Gottesdienst Asche aufs Haupt streuen liess, beklagte er die Zerrissenheit der Kirche. Darum höre zu! Schaffe Vertrauen! Baue Brücken! So wirst du glaubwürdig sein.

Und was ist wesentlich? Zuallererst: Du hast ein wunderbares Amt, das dir Weltöffentlichkeit schafft. So kannst du einstehen für die Botschaft der Bibel. Du stehst für die ganze katholische Kirche, und wenn du es klug machst, noch für viele andere Christen. Und Menschen allüberall werden sich mit dir identifizieren, vor allem wenn du sie repräsentierst etwa so wie die Königin von England. Versuch nicht, auch noch Regierungs-Chef zu sein und höchster Gesetzgeber und oberster Richter. Lass das andere tun. Das ist eine Fehlkonstruktion deines Amtes und kann dich nur überfordern. Entschlacke also deinen Dienst! Wirf Ballast ab! Das Raffen nach Macht ist deinem Amt nie gut bekommen. Geistliche Macht lebt vom Wissen, was nicht in der Macht des Menschen liegt.

Schon bald wird dich der Reformstau einholen, den deine Vorgänger dir in einem Dritteljahrhundert hinterlassen haben. Ein Verkehrsstau löst sich häufig auf, wenn alle ein vernünftiges Tempo einschlagen. Also hab ein offenes Ohr für die Reformer und rede vernünftig mit den Ewiggestrigen! Erinnere sie an das, was Jesus sagte, und im Übrigen lege ihnen keine unnötigen Bürden auf. Die Zeit für Verbote ist vorbei, Jesus gab dir doch eine Frohbotschaft mit auf den Weg. Dann werden die Menschen selber den Stau auflösen, und deine Seelsorgerinnen und Seelsorger können sich wieder dem zuwenden, was ihre anspruchsvolle Aufgabe ist: die Sorge für die Menschen.

Und noch etwas, es ist nicht minder archaisch und hat den Menschen seit je Freude, aber auch Qualen bereitet: die Sexualität. Ja, sie ist ambivalent und kann Unheimliches anrichten. Wem sag ich das! Aber ist das denn bei der Religion anders, wenn du an all die Scheusslichkeiten denkst, die in ihrem Namen begangen werden? Also: Entkrampfe das Denken und Verhalten deiner Kirche zur Sexualität. So wirst du auch einen neuen Blick bekommen für die Würde von Mann und Frau. Natürlich musst du da als Patriarch über einige Schatten springen. Aber du wirst es schaffen, denn dir ist ja klar: Die Zerrissenheit der Kirche hat hierin einen massgeblichen Grund.

Lieber Bischof von Rom! Ich weiss, du trägst Hypotheken aus Jahrhunderten. Vieles von dem zu lassen, wird nicht einfach sein. Doch ein Amt, dessen Säulen auf archaischem Gestein ruhen und dessen Väter seit zwei Jahrtausenden um die Wahrheit gerungen haben, darf doch auch die Autorität der Freiheit, die aus Fragen unserer Zeit spricht, zu ihrem Recht kommen lassen. Tu das mit aller Kraft, und du wirst nicht nur bejubelt, sondern auch respektiert werden.

Dieser Brief erschien am 16. Februar im St. Galler Tagblatt. Dr. Erwin Koller ist ein ehemaliges SAGW-Vorstandsmitglied und übernimmt demnächst von Hans Küng das Präsidium der Herbert Haag Stiftung für Freiheit in der Kirche.

Montag, 4. März 2013

Une table ronde sur l'avenir du Latin


Enrico Natale, infoclio.ch

L'Académie suisse des sciences humaines et sociales (ASSH) organisait le 12 février à Berne une table ronde sur l'avenir du Latin à l'université, avec le titre "Am Ende des Lateins? Pro und contra Lateinobligatorium für geisteswissenschaftliche Studiengänge". 

La table ronde opposait Virginia Richter (Uni. Berne) et Christoph Riedweg d'un côté, à Hans-Johann Glock (Uni. Zürich) et Antonio Lopreno (Uni. Basel)  de l'autre. Assis au centre, Thomas Späth (Uni. Berne) animait le débat. La discussion portait sur le caractère obligatoire ou non des cours de Latin dans les filières humanistes à l'université. 

La situation actuelle de l'obligation du Latin - Lateinobligatorium en Allemand - dans les universités suisses est résumée sur ce ce tableau. Les universités ont tendance, à l'exemple de l'université de Bâle, à supprimer l'obligation du Latin pour tous les domaines d'étude, y compris l'histoire ancienne ou l'archéologie, afin de ne pas surcharger les élèves. Selon les intervenants, cette sous-enchère s'inscrit dans un mouvement généralisé de mise en concurrence des universités, issu de la réforme de Bologne, pour attirer le plus grand nombre d'élèves. Exceptions notables, les universités de Genève et de Zurich sont aujourd'hui les seules en Suisse qui maintiennent l'enseignement obligatoire du Latin pour un nombre important de disciplines en Lettres. 

Certains professeurs se lamentaient de la difficulté d'enseigner l'archéologie ou la philologie médiévale à des élèves qui n'ont jamais fait de Latin, et d'autres lançaient des appels à conserver une université qui enseigne le sens critique plutôt que des compétences destinées au marché du travail.  

Sur place, la Kuppelraum de l'université de Berne était pleine. D'après mon impression en écoutant les questions, le public était composé en majorité d’enseignants de Latin, de Grec, de Littérature ou d'Histoire.

Ayant moi-même obtenu un trois-quarts de licence en Latin de l'université de Genève, j'étais intéressé par cette manifestation. Pendant mes études déjà, je souhaitais trouver un champ d'application original pour le Latin, sans jamais y parvenir jusqu'ici. J'étais curieux d'entendre quels seraient les thèmes de la discussion, et le public intéressé. 

Latin ou Digital Humanities ?

Une question imprimée sur le dépliant de la manifestation a attiré mon attention: 
Gibt es andere Wissensbestände der akademischen Grundausbildung – zum Beispiel in den Digital Humanities – die heutzutage eher vermittelt werden müssten als Kenntnisse der lateinischen Sprache? / Y a-t-il d'autres domaines du savoir - comme par exemple les humanités numériques - qui devraient remplacer l'enseignement du Latin dans la  formation universitaire de base  ?

La question à le mérite de placer sur un même plan le Latin d'un côté, langue à l'origine de la culture lettrée en Occident, et de l'autre les Digital Humanities, terme générique pour décrire les applications des technologies numériques dans les sciences humaines. 
Dans l'un des plateaux de la balance, le Latin, langue ancienne sans laquelle il est difficile d'appréhender l'histoire et les langues de l'Europe; dans l'autre, une somme de technologies sans lesquelles il est devenu presque impossible d'envoyer un message, de rechercher une information, de se situer dans l'espace ou de faire un payement. De quel côté va pencher la balance ?

Comme le montre François Waquet dans Le Latin, ou l'Empire d'un signe, le Latin, bien que déclinant dans les usages depuis la Renaissance, s'est maintenu bien vivant dans l'enseignement et l'érudition jusqu'au XXe siècle. La principale raison de sa survie, selon l'auteure, est que Latin fonctionne comme un système de reproduction des élites. La Latin serait devenu, suite à la montée des langues vernaculaires, un instrument de maintien du pouvoir à l'intérieur de cercles restreints, qu'il s'agisse de familles patriciennes ou de corporations comme les médecins et les avocats. 

Cette hypothèse est confirmée par les recherches de Christian Alain Muller sur le système éducatif à Genève au XIXe siècle. Dans une monographie, il montre comment l'existence parallèle d'une filière classique, centrée sur la Latin et le Grec, et d'une filière moderne, centrée sur les sciences et les techniques, renforce l'écart entre la bourgeoisie et l'élite conservatrice et permet à cette dernière de conserver un modèle de société de type oligarchique. Une conférence en ligne est également disponible, dans laquelle il expose son argument en prenant l'exemple des deux fondateurs de la Croix-Rouge Henry Dunant et Gustave Moynier. 

Aujourd'hui, le Latin a perdu en partie de ses fonctions de sélection des élites. Les bonnes familles continuent d'insister pour que leurs enfants fassent du Latin au collège, mais ce sont désormais les filières scientifiques qui ont le vent en poupe, à l'exemple des deux Écoles polytechniques fédérales, qui forment la nouvelle élite de demain, celle-là globale, anglophone, et plus à l'aise avec les nouvelles technologies qu'avec les langues anciennes. 

Et c'est là justement que nous nous trouvons aujourd'hui devant un immense chantier éducatif. Quelles matières enseigner à l'école pour faire sens des technologies numériques désormais omniprésentes dans notre vie quotidienne ? Quel type de formation offrir aux jeunes générations qui utilisent ces nouvelles technologies dès la première enfance ? Quels outils intellectuels mobiliser pour construire une pensée critique vis-à-vis de ces nouvelles technologies, qui déterminent désormais le développement économique et scientifique de nos sociétés contemporaines ? 

Au premier siècle avant notre ère, Cicéron (Marcus Tullius Cicero) écrivait dans son Sur l'Orateur (Orator ad M. Brutum): 

Nec vero sine philosophorum disciplina genus et speciem cuiusque rei cernere neque eam definiendo explicare nec tribuere in partis possumus nec iudicare quae vera quae falsa sint neque cernere consequentia, repugnantia videre, ambigua distinguere. (Cicero, Orator ad M. Brutum, I, IV.)

Comment parvenir, sans les méthodes philosophiques, à classer les objets par genres et par espèces, à les préciser par la définition, à les coordonner par les divisions, à démêler le vrai du faux, à déduire les conséquences, à signaler une contradiction, à relever une équivoque ? 

Vingt-et-un siècles plus tard, un des pionniers de l'informatique, Joseph Weizenbaum, s'inquiétait des conséquences de l'informatique sur notre entendement dans un article intitulé Alptraum Computer: 

Wir haben technologische Metaphern – «Mythen der Maschine» – une die Technik selbst so tief in unsere Gedankenprozesse eindringen lassen, dass wir schliesslich an die Technologie sogar die Aufgabe, Fragen zu formulieren, abgegeben haben (...) Wo ein einfacher Mann fragt: «Ist das gut ?», fragt die Technologie: «Wird das funktionieren?».  Auf diese Weise wird die Wissenschaft und sogar die Weisheit zu dem, was Technologie und vor allem der Computer handhaben können. (Joseph Weisenbaum, Alptraum Computer, Die Zeit, 21. Januar 1972)

Nous avons laissé la métaphore technologique – le «mythe de la machine» – pénétrer si loin dans nos processus de pensée que nous avons finalement abandonné à la technologie la tâche même de formuler des questions (..). Là où un homme simple demande «Est-ce que c'est bien ?», la technologie demande «Est-ce que ça va fonctionner ?». De cette façon la science et même la sagesse se réduisent à ce que la technologie, et surtout l'ordinateur, peut manipuler.  

Ces deux textes ont été écrits dans des contextes très éloignés, et pourtant il défendent une même idée: pour pouvoir distinguer le vrai du faux, ou le bon du mauvais, une somme de connaissances abstraites et fondamentales est nécessaire. Qu'il s'agisse de la philosophie, du latin ou des mathématiques, ce sont tous les trois des langages d'infrastructure. L'un pour l'exercice du raisonnement, l'autre pour le langage et l'expression écrite, et le dernier pour les sciences. Tous trois n'ont pas de rentabilité ou d'utilité immédiate. Et ils forment ensemble le noyau dur d'une éducation générale telle qu'elle nous a été transmise depuis l'Antiquité. 

Aujourd'hui, dans un système éducatif de plus en plus soumis aux lois du marché, la tentation est grande d'enseigner des connaissances directement mobilisables par l'économie, au dépend de disciplines plus fondamentales. Le risque qui se dessine derrière cette tendance, c'est une éducation à plusieurs vitesses, à l'image du Collège à Genève au XIXe siècle. D'un côté, ceux qui auront étudié les disciplines fondamentales formeront une élite, appelée à assumer des fonctions de direction et de pilotage; de l'autre, ceux qui auront étudié des compétences pratiques se verront cantonnés à des tâches exécutives, dont ils ne pourront saisir les enjeux généraux. A dire vrai, cette situation est déjà en grande partie avérée aujourd'hui, avec la distinction entre les différentes filières éducatives. 

L'informatique repose aujourd'hui ce même problème de façon aigüe. Comment former les jeunes générations aux nouvelles technologies ? Leur enseigner à utiliser Word et Excel, comme on l'a fait avec nous au collège ? Cela reviendrait à former des utilisateurs, ainsi que des clients, de logiciels propriétaires spécifiques dont ils ignoreront tout du fonctionnement. Se lèveront alors des armées de fonctionnaires de machines, dépassés par le potentiel de leurs instruments de travail, qui exécuteront toute la journée des opérations dont ils ignorent à la fois les mécanismes et le but ultime. Belle dystopie, qui est, à vrai dire, déjà en partie avérée. 

Il faudrait plutôt réfléchir à constituer un enseignement à même de faire sens du fonctionnement général de l'ensemble des technologies numériques, et de replacer leur apparition dans un contexte historique plus large.
Mais aujourd'hui, à part une poignée de mathématiciens et d'ingénieurs, une toute petite élite, ayant vécu de l'intérieur le développement de l'informatique durant ces 30 dernières années, et possédant par conséquent une bonne vision d'ensemble, personne n'est en mesure de dire quelles connaissances devraient être enseignées aux générations à venir, qui grandiront intégrées - embedded - dans les technologies numériques. 

Assurément les cours d’introduction à l’informatique enseignés au collège ne sont pas suffisants. Pour comprendre la signification d'un ordinateur, il faudrait des éléments de calcul binaire, de logique symbolique, de micro-électronique, d'histoire des techniques, d'anthropologie des sciences, de linguistique, et que sais-je encore ? Une chose est sûre, une réflexion sur les principes d'un enseignement général aux nouvelles technologies est nécessaire. Un enseignement qui ne soit pas une simple formation aux usages, mais qui ressemble plutôt une caisse à outils intellectuels pour comprendre les technologies. 

L'enjeu ultime d'une éducation contemporaine serait une transdiscipline, capable de réconcilier les sciences dures et les sciences humaines. De Gottfried Wilhelm Leibniz (1646–1716) à Bruno Latour, nombreux sont les penseurs qui ont caressé le projet de faire converger la logique mathématique et la pensée philosophique vers une nouvelle épistémologie scientifique. Dans un sens, c'est là le programme des Digital Humanities: un nouvel humanisme, capable de comprendre et d'utiliser les nouvelles technologies dans la recherche, tout en menant une analyse rétrospective sur le rôle des matériaux et des techniques dans nos production culturelles. C'est à ce prix seulement qu'il sera possible de mobiliser pleinement les nouvelles technologies dans les sciences humaines.

La Latin à l'avant-garde des Digital Humanities


Pour en revenir au Latin et aux philologues classiques, ces derniers étaient parmi les premiers dans les sciences humaines à investir le domaine des nouvelles technologies pour la recherche. Les méthodes philologiques étant très rigoureuses, logiques, et parfois répétitives, c'est assez naturellement que les latinistes ont dès le départ montré un vif intérêt pour les premiers ordinateurs.  Le premier d'entre eux était un frère jésuite, Roberto Busa (1913-2011), qui s'associa dès 1949 avec l'un des fondateurs d'IBM, Thomas J. Watson (1875-1956), pour créer une concordance générale de l’œuvre de St. Thomas d'Aquin (1225-1274). Trente ans et des milliers de cartes perforées plus tard, la première concordance informatisée voyait le jour, l'Index Thomisticus, intégralement en Latin. Elle est aujourd'hui disponible sur internet.

Autre projet du premier âge de l'informatique, le Laboratoire d'analyse statistique des langues anciennes de l'université de Lige, fondé dès 1961 pour étudier les littératures grecques et latines au moyen des outils informatiques. Toujours en activité, le laboratoire à publié de nombreuses concordances et index d'auteurs latins, en commençant par les œuvres de Sénèque (4 av. J.-C. - 65 ap. J.-C.). Sous forme imprimée, ces travaux de concordance se présentaient sous la forme d’épais volumes mis en page sur trois colonnes, selon le principe du Keyword in Context (KWIC). De plus, ils utilisaient une police de caractère similaire à Courier, qui les distinguait de tous les autres livres et en faisait des objets étranges. Aujourd'hui, les concordances ne s'impriment plus, mais se consultent via des bases de données. 

Dernier exemple, le Thesaurus Linguae Graecae, un projet lancé en 1972 avec l'objectif de réunir une collection complète des textes en grecs ancien de l'époque d'Homère jusqu'à la chute de Constantinople en 1452. Le projet a bénéficié du soutien actif de l'entreprise Hewlett Packard en la personne du fils du fondateur, David Woodley Packard, qui fournit le financement initial, de même que les machines et le programme d'édition électronique des textes. Ces alliances originelles entre philologues et entreprises informatiques mériteraient d'être approfondies, notamment pour comprendre pourquoi les pères de la grande industrie informatique s'intéressaient de si près à ce type de recherche. 

On pourrait multiplier les exemples jusqu’à aujourd'hui. Cette semaine encore, un professeur d'histoire ancienne de l'université de Zurich recevait une distinction pour ses recherches et la leurs diffusion au moyen d’applications mobiles.  Les sciences de l'Antiquité ont souvent été à l'avant-garde des méthodes informatiques dans les sciences humaines. 

Conclusion et post scripta

Qu'il s'agisse de discours ou de techniques, il semble vraisemblable que de solides connaissances dans le domaine de la philologie, de la linguistique, et par conséquent des langues anciennes, représentent un avantage certain pour s'orienter dans une réalité contemporaine aux contours toujours mouvants. Alors qu'aujourd'hui personne ne sait prédire sous quelles formes circulera la connaissance dans 30 ans, il semble raisonnable de privilégier un apprentissage classique, qui, comme on l'a vu, a fait ses preuves aussi lors du premier âge de l'informatique, à une formation uniquement centrée sur les usages à des technologies soumises au lois de la guerre économique. 

En parallèle, il semble nécessaire de réfléchir aux bases d'un enseignement critique sur les nouvelles technologies numériques; un enseignement qui donne les outils pour comprendre les bases du fonctionnement des technologies de l'information, mais aussi pour reconnaître et analyser les interactions complexes qui se tissent entre elles et nous au niveau de nos processus cognitifs. 

PS : En France, le gouvernement vient de publier une feuille de route sur le numérique (28.02.13), qui prévoit l’introduction d’un enseignement sur le numérique à l’école primaire et au lycée, ainsi qu’une « réflexion sur la place que doit prendre l’informatique à tous les niveaux d’enseignement ». 

PPS : La démission du Pape Benoît XVI s’est faite en latin. A réécouter ici

PPS : La chanson Tempête dans un bénitier de Georges Brassens, évoque la question la messe en Latin, supprimée par le concile de Vatican II et réintroduite en 2007 par Benoît XVI,