Freitag, 7. November 2014

Der nine-to-five-Job hat ausgedient

Beitrag von Danny Schweingruber, Mitglied der Geschäftsleitung WTOC, Witzig The Office Company AG

Im Vorfeld der Tagung «Arbeit im Lebensverlauf» am 13. November 2014


Das Thema der Flexibilisierung von Arbeit und Arbeitszeiten entspringt einer Art natürlichem Grundbedürfnis von Menschen nach Selbstbestimmung und ist so etwas wie die Königsdisziplin moderner Organisationsformen. Flexible Arbeitszeitmodelle berücksichtigen unterschiedliche persönliche und familiäre Bedürfnisse der Mitarbeitenden und darüber hinaus sogar betrieblich wechselnde Anforderungen. 

Der klassische nine-to-five-Job mit seinen starren acht Stunden Anwesenheit ist in modernen Unternehmen auf dem Rückzug, da sowohl Arbeitgeber wie auch Arbeitnehmer von flexibel gestaltbaren Arbeits- und Jobmodellen profitieren. Um Beruf und Familie besser vereinbaren zu können, fragen Kandidaten vermehrt bereits bei der Bewerbung nach solch flexiblen Lösungen. Die Möglichkeit für Beschäftigte, die eigene Arbeitszeit individuell zu gestalten, wird dadurch immer mehr auch zu einem zeitgemässen Instrument zur Rekrutierung, Motivation und Bindung guten Personals. Denkbar sind unterschiedliche Varianten flexibler Arbeitszeitmodelle wie beispielsweise Teilzeit, Vertrauensarbeit, Gleitzeit, Jahresarbeitszeit oder flexibles Arbeiten (unabhängig von Ort und Zeit). Grundsätzlich werden fast alle Mitarbeitenden eine Erhöhung der eigenen Zeitsouveränität zu schätzen wissen. Besonders vorteilhaft sind Angebote solch „schöner, neuer Arbeitswelten“ wie zum Beispiel bei Witzig insbesondere für Mitarbeitende, die nicht am Unternehmensstandort wohnen, da sich durch das „Brechen von Verkehrsspitzen“, Stress und Zeitaufwand für den Arbeitsweg umgehen lassen. Auch die Umwelt wird durch eingesparte Kilometer geschont, wenn Aufgaben, die keine Anwesenheit im Unternehmen erfordern, zu Hause gelöst werden können. Für familiär eingebundene Menschen ermöglichen flexible oder Teilzeitlösungen eine optimalere Vereinbarkeit von Familie und Karriere.  Weitere Vorteile bieten vor allem Teilzeitregelungen für Mitarbeiterpotenziale, die nicht oder auch nicht mehr, die Möglichkeit haben, Vollzeit zu arbeiten. Dies trifft vor allem für ältere Mitarbeitende oder auch Fachkräfte zu, die eine Weiterbildung anstreben. Für diese Gruppe sind die physische und psychische Belastung pro Teilzeitmitarbeitenden kleiner als bei einem 100% Engagement. 


Auch aus Arbeitgebersicht gilt es, die Ressource Arbeit möglichst gut zu nutzen, das heisst personeller Leerlauf ist zu vermeiden. In einem System mit starren Arbeitszeiten kann man schwankenden Kapazitätsanforderungen nur schwer folgen. Bei schwacher Auftragslage ist es möglicherweise nötig, die Mitarbeiter mit weniger wertschöpfenden Arbeiten zu beschäftigen. Im Extremfall muss allein deren Anwesenheit bezahlt werden. Bei hoher Auslastung dagegen müssen Mehrarbeitsstunden entgolten werden. Beides ist aus Sicht des Arbeitgebers ineffizient und unwirtschaftlich. Eine freiere Gestaltung der Betriebs- und Arbeitszeiten bedeutet daher auch aus Unternehmenssicht eine bessere Kapazitätsplanung. Bei allen Vorteilen gilt es jedoch auch mögliche Risiken zu bedenken. Besonders was die Themen Vertrauenskultur, Mitarbeiterführung und eine gerechte Leistungsbewertung betrifft, ergeben sich aus der flexiblen Arbeitszeitgestaltung große Herausforderungen für Führungskräfte, da die Mitarbeitenden sowohl für Vorgesetzte als auch für Kunden nicht zu allen erwartbaren Zeiten  zur Verfügung stehen. Konkret gestaltet sich etwa die Terminplanung für Meetings, Schulungen etc. nicht nur zeitlich um einiges aufwändiger, sondern insgesamt kostenintensiver, gerade dann wenn es unterschiedliche, flexible Modelle unter einen Hut zu bringen gilt. Neben dem Risiko des Ausnutzens der Freiheiten bezüglich Zeitsouveränität, droht gegenteilig auch bei besonders engagierten Kräften, die Nichteinhaltung von Erholungs- und Ruhezeiten. Ganz grundsätzlich ist eine Betriebskultur des Vertrauens und der Kooperation, sowie ein funktionierendes Selbstmanagement der Fachkräfte, die essentielle Basis aller Flexibilitäten, so auch der zeitlichen.


Montag, 3. November 2014

«Dem Beruf ist dein Geschlecht egal!»

Beitrag von Helena Trachsel, Leiterin Fachstelle Gleichstellung von Frau und Mann, Kanton Zürich
Im Vorfeld der Tagung «Arbeit im Lebensverlauf» am 13. November 2014

Wenn eine  junge Frau gerne Ingenieurin werden möchte oder ein junger Mann es liebt, in der Pflege zu arbeiten, kann das in unserer heutigen Gesellschaft immer noch mancherorts auf Unverständnis stossen. Viele Berufe sind in Bezug auf das Geschlecht vorbelastet und werden deshalb als entweder typisch männlich oder typisch weiblich angesehen. In den Schuhen des Metzgers in der Migros können sich beispielsweise die Wenigsten eine Frau vorstellen, während im Kindergarten des Sohnes oder der Tochter ein Mann als Aufsicht vielen als fehl am Platz erscheint. Natürlich ist eine Unterteilung von Berufen in diese Kategorien unsinnig, schliesslich kann eine junge Frau die gerne Metzgerin werden möchte diesen Beruf ebenso gut ausüben wie ein junger Mann. Dennoch sind diese festgefahrenen und seit langem überholten Stereotypen nicht so einfach aus der modernen Gesellschaft zu verbannen; sie werden oft unbeabsichtigt von Lehrpersonen, Eltern oder anderen Bezugspersonen wiederholt und so weiter in der Weltanschauung der jungen Menschen zementiert.

Die Aufbrechung dieser Stereotypen ist eines der wichtigsten Ziele der Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann des Kantons Zürich. Bei der Wahl eines Berufes sollen nicht diese existierenden Vorurteile richtungsweisend sein; im Gegenteil, jede junge Person soll bei der Berufswahl ganz individuell und aufgrund ihrer ganz persönlichen Talente, Wünsche, Interessen und Fähigkeiten einen Beruf auswählen können. Damit dies zum Normalzustand wird, muss jedoch ein Umdenken in der gesamten Gesellschaft stattfinden, vor allem in der Erziehung und in den frühen Stufen der Bildung.
Der spezifische Fokus liegt dabei darauf, den jungen Menschen zu vermitteln, was für eine Vielfalt an Berufen ihnen offensteht, egal ob man Junge oder Mädchen ist. Dazu wurde ein interaktives App – der JobMatcher – kreiert. Die Idee des Spieles ist es, das Porträt einer jungen Person – männlich oder weiblich – mit der passenden Berufsbezeichnung zu verbinden. Stimmt die Bezeichnung nicht mit dem Porträt überein, zieht das Porträt eine Grimasse oder zeigt mit den Daumen nach unten. Stimmt die Bezeichnung aber überein, so verwandelt sich das Porträt und erscheint neu in der typischen Arbeitskleidung des Berufs, welches es ausübt. Für das Spiel wurden bewusst Berufe ausgewählt, die tendenziell als stereotyp angesehen werden, wie beispielsweise PrimarlehrerIn, MetzgerIn, InformatikerIn oder PflegerIn. Die jungen Menschen, die für den JobMatcher engagiert wurden, entsprechen diesen Stereotypen aber eben genau nicht: sie haben es auf eigene Faust geschafft, ihren Traumberuf zu wählen, obwohl die gesellschaftlichen Vorurteile es ihnen oftmals nicht einfach gemacht haben. Da gibt es beispielsweise den Primarlehrer aus Uerikon oder die Trampilotin aus Winkel, den Pflegefachmann aus Zollikon oder die Fleischfachfrau aus Herisau. Und so manifestiert sich schliesslich ein Aha-Effekt, wenn die Jugendlichen den Beruf – vermutlich nach einigen Fehlversuchen – der richtigen Person zuordnen können. Denn in diesem Moment merken sie, dass dem Beruf das Geschlecht herzlich egal ist und dass es viel mehr auf die individuellen Stärken und Interessen ankommt. Mit dieser Botschaft möchte die Fachstelle den jungen Menschen den Rücken für die anstehende Berufswahl stärken und sie ermuntern, dabei nicht den gesellschaftlichen Erwartungen, sondern ihren eigenen Interessen und Talenten zu folgen.