Freitag, 24. Oktober 2014

«Ein LKW muss rollen»

Dank den neuen Arbeitszeitmodell und Auszeiten ist die Thomann Nutzfahrzeuge AG heute flexibler als früher.

Beitrag von Luzi Thoman, Thomann Nutzfahrzeuge AG
Im Vorfeld der Tagung «Arbeit im Lebensverlauf» am 13. November 2014

Heute werden in jedem Beruf Höchstleistungen verlangt. In dieser Situation scheint ein Mitarbeitender, der fünf Tage die Woche im Betrieb anwesend ist, vorteilhafter. Doch der Schein trügt. Funktioniert es zu Hause mit der Familie nicht, so funktioniert es auch in der Firma nicht. Hinzu kommt, dass die Kreativität, welche es braucht um Kunden immer wieder zu überraschen, am besten gedeiht, wenn Freiräume gegeben sind. Denn «gut» ist heute jeder und zum Standard geworden. Doch um aufzufallen braucht es mehr als «gut» zu sein – der Kunde will immer wieder aufs Neue überrascht werden. Diese Erwartungen fordern die Mitarbeitenden wie die Chefs. Ich als Chef schätze daher Effizienz mehr als Präsenz. Aus meiner Sicht bringen die Teilzeitmodelle genau jene Vorteile die nötig sind, um die nötigen Freiräume zu geben. Zudem entlastet es mich in gewissen Belangen wie zB. der Koordination von Ferien. Arbeiten zwei Personen im Job-Sharing sprechen diese sich untereinander ab, wann und wie sie sich diese organisieren wollen. Dies entlastet mich und lässt mir Platz und Zeit für andere Aufgaben.

Die Erwartungen an die Arbeitszeitmodelle haben sich in den vergangenen Jahren verändert. Ein lediger Mitarbeitender will über eine längere Zeit viel arbeiten, damit er sich anschliessend eine Auszeit zum Reisen nehmen kann. Das Bedürfnis eines jungen Familienvaters liegen da anders: dieser möchte in vier Tagen sein 100% Pensum arbeiten, damit er einen freien Tag zur Kinderbetreuung hat. Die verschiedenen Modelle sind organisatorisch für das Unternehmen eine Herausforderung. Doch gelingt es dem Unternehmen allen Wünschen gerecht zu werden und diese gut aufeinander abzustimmen, dann gibt diese Flexibilität dem Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz. Denn bei so einem Modell sind auch die Randzeiten und die weniger beliebten Tagen abgedeckt. Gerade bei uns im Nutzfahrzeuggeschäft ist das enorm wichtig. Ein defekter LKW muss innert kürzester Zeit repariert werden – der Kunde wartet nicht bis am Montag. Denn ein LKW muss rollen. Früher hatten wir Mühe, Personal für solch «unbeliebte» Einsatzzeiten zu finden. Heute geht dies dank den sich geänderten Bedürfnissen viel einfacher.


Freitag, 17. Oktober 2014

Arbeitsmarktchancen und Vermittlung nach 50

Beitrag von Günter Pfeiffer, Universität Basel

Im Vorfeld der Tagung «Arbeit im Lebensverlauf» am 13. November 2014

Auf den ersten Blick stellen sich die Arbeitsmarktchancen der über 50-Jährigen in der Schweiz gut dar. Wir sehen eine im Vergleich zu anderen OECD-Ländern hohe Erwerbsquote Älterer. Die Arbeitslosenquote der über 50-Jährigen betrug im August 2014 2.6% und liegt damit leicht unter dem Durchschnitt aller Erwerbslosen in Höhe von 3.0%. Aber 40% der Langzeitarbeitslosen sind über 50 Jahre alt und überdurchschnittlich viele Stellensuchende über 50 Jahren werden ausgesteuert. Durchschnittlich finden Arbeitsuchende innerhalb von sechs Monaten eine neue Stelle, über 50-Jährige erst nach 12 Monaten. Ältere Mitarbeitende haben kein Problem, solange sie angestellt sind; die Probleme beginnen wenn sie arbeitslos werden.

Gleichzeitig steigen die Lebenserwartung und das Durchschnittsalter der Erwerbstätigen weiter. Unsere Kinder haben eine Lebenserwartung von 100 Jahren, ihr Pensionsalter wird bei 85 Jahren liegen. 2020 werden wir uns mit dem Arbeitsmarkt 65plus auseinandersetzen, während die Beschäftigung der 50 bis 60-Jährigen zum selbstverständlichen Arbeitsalltag gehört, da ihr Potenzial dazu beigetragen haben wird, die Fachkräftelücke zu schliessen.

Diese Entwicklung erfolgt nicht automatisch. Wichtige Voraussetzungen liegen in unseren persönlichen Einstellungen als Arbeitnehmende und Unternehmer. Beispielhaft versucht der Kanton Aargau den hergebrachten Altersbildern mit der Kampagne „Die Qualifikation zählt, nicht das Alter“ zu begegnen. Er spricht damit beide Marktseiten an.

Ältere Stellensuchende sind erfolgreicher, wenn sie ihre Stärken betonen und gegebenenfalls Vorurteile gegenüber älteren Stellensuchenden benennen und entkräften. Für alle Mitarbeitenden jeden Alters ist in einer Welt rascher Veränderungen und zunehmender Unsicherheit entscheidend, die Lernfähigkeit und Neugier zu bewahren. Nicht alles funktioniert im neuen Unternehmen so wie im alten. In anderen Märkten, mit anderer Produktionstechnik und -prozessen, anderer Unternehmenskultur sind bewährte Konzepte nicht einfach übertragbar.


Unternehmen sind erfolgreicher, wenn sie das Potenzial älterer Mitarbeitenden nutzen. Altersgemischte Teams weisen eine höhere Produktivität und Innovationskraft auf.  Kostensenkend wirkt beispielsweise, dass Ältere weniger oft die Stelle wechseln. Jeder Entscheidungsträger im Unternehmen ist heute in dieser Position, weil früher jemand eine riskante Einstellungsentscheidung getroffen und dabei Vorurteile überwunden hat, z.B. das Klischee, dass Jüngere ihre Zukunft, Ältere ihre Vergangenheit verkaufen.