Montag, 16. September 2013

Nachhaltiger Umgang mit natürlichen Ressourcen – sozial- und geisteswissenschaftliche Forschungslandschaft der universitären Hochschulen der Schweiz


Fazit der SAGW, von Manuela Cimeli


Die Bestandesaufnahme von Franziska Schmid und Michael Stauffacher zeigt, dass einzelne sozialwissenschaftliche Bereiche in der Schweiz durchaus Forschung zu Nachhaltiger Ressourcenverwendung betreiben, dabei jedoch schlecht institutionalisiert sind. Mit der ETH und dem Graduate Institute besitzt die Schweiz zwei Zentren, in denen ein sozialwissenschaftlicher Ansatz angewandt wird, um Themen wie Nachhaltigkeit oder Ressourcenfragen zu untersuchen. Die Bestandesaufnahme zeigt jedoch, dass in den meisten Fällen einzelne ForscherInnen zu unterschiedlichen Fragestellungen unterwegs sind und selten gut organisierte Gruppen einen Forschungsaspekt aus verschiedenen Perspektiven untersuchen.

Es sind auch nicht die sozialwissenschaftlichen Kernfächer, welche sich der Nachhaltigkeitsfrage annehmen. Vielmehr sind Fächer an den Schnittstellen aktiv, welche naturgemäss transdisziplinär arbeiten (z.B. Geographie, Ökonomie, Politikwissenschaft). Hauptsächlich nimmt sich die sozialwissenschaftliche Forschung der Thematiken zu ressourceninduzierten Konflikten und einzelner Gebiete der Nachhaltigkeitsforschung an, in Bezug auf die Bereiche Lebensstil- und Suffizienzforschung sind jedoch klar Defizite vorhanden.

Michael Stauffacher identifiziert einen der Gründe dieser Absenz der sozialwissenschaftlichen Forschung im «dominanten Selbstverständnis vieler Sozial- und GeisteswissenschaftlerInnen als primär reflektierend-kritische BeobachterIn gesellschaftlicher Zusammenhänge» (Bulletin SAGW 4/2012). Stauffacher fordert die Sozial- und GeisteswissenschaftlerInnen dringend auf, sich verstärkt aktiv in die problemorientierte Forschung zur nachhaltigen Ressourcenverwendung einzubringen. Nur dies verhindere, so Stauffacher, dass die Geistes- und SozialwissenschaftlerInnen weiterhin eine Randposition in Bezug auf wichtige gesellschaftliche Fragestellungen einnehmen, zu denen sie durchaus etwas beitragen könnten. Ein koordiniertes, Disziplinen- und Institutionen-übergeordnetes Forschungsprogramm könnte dabei eine entscheidende Rolle spielen.