Montag, 14. Januar 2019

Per Klick in die Vergangenheit

Beatrice Kübli, SAGW, Kommunikation
 
„Glücklich ist, wer vergisst, was nicht mehr zu ändern ist.“ Wer dem Zitat aus der Operette „Die Fledermaus“ von Johann Strauss folgt, braucht sich nicht um Geschichte zu kümmern. Er weiss dann natürlich auch nicht, was das für eine Zeit war, damals 1874. Ob Allgemeinwissen oder Politikverständnis: Ohne Geschichtskenntnisse kann man heutige Entwicklungen nicht fundiert verstehen und nachvollziehen. Obwohl der Nutzen eines Geschichtsstudiums nicht für jeden so offensichtlich ist, greift unsere Gesellschaft in vielen Fragen auf Historiker zurück, beispielsweise um politische, religiöse oder kulturelle Spannungen zu erklären und um die unsichtbaren Ursachen solcher Konflikte und Blockierungen aufzudecken (mehr dazu auf abouthumanities.sagw.ch). Was tun, wenn man sich damals in der Schule für die Kriege, Revolutionen und Schlachten nicht erwärmen konnte und den Nutzen erst heute einsieht? Es ist nicht alles verloren. Heute reicht ein Klick für die Reise in die Vergangenheit. Die SAGW und ihre Unternehmen bieten eine Reihe von Forschungsinfrastrukturen an, die auch für Laien online zugänglich sind. Betrachten wir zum Beispiel die aktuelle Diskussion um die China-Politik der Schweiz. Wer den Hintergrund besser verstehen möchte, findet auf der neuen Website des Historischen Lexikons der Schweiz unter dem Suchbegriff „China“ einen Überblick über die Kontakte zwischen der Schweiz und China. Umfassende Informationen zu den bilateralen Beziehungen der beiden Staaten erhält man bei DODIS, den Diplomatischen Dokumenten der Schweiz. Auf der Seite von Année Politique Suisse schliesslich ergibt dasselbe Suchwort eine Zusammenstellung der politischen Geschäfte, die sich mit China befassen. Per Klick gibt’s übrigens nicht nur Informationen zur Geschichte und zur Politik, sondern auch zu den vier Landessprachen und zu Fundmünzen. Eine Porträtserie im SAGW-Bulletin stellt die Unternehmen vor:  

Montag, 7. Januar 2019

Fake News, Algorithmen, Social Bots und die Wahrheit

Beatrice Kübli, SAGW, Kommunikation
 
Welche Menschenmenge war grösser? Die beim Amtsantritt von Barack Obama oder von Donald Trump? Die Bilder zeigen klar: bei Obama. «Fake News», fand Trump. Wie bei vielem, was ihm nicht passt. In diesem Beispiel ist es relativ einfach, die Wahrheit zu erkennen. Aber Falschnachrichten zu enttarnen, wird immer schwieriger. Fehlinformationen sind eine Herausforderung für uns alle. Vincent F. Hendricks, der Autor von «Postfaktisch», war kurz vor Weihnachten zu Besuch im Haus der Akademien und sprach im Science at Noon über die neue Wirklichkeit in Zeiten von Bullshit, Fake News und Verschwörungstheorien. Die einen Falschmeldungen entstehen nur mangels besseren Wissens, andere hingegeben werden absichtlich publiziert, um Meinungen oder auch Wahlen und Abstimmungen zu beeinflussen. Es ist schwierig abzuschätzen, welche Nachrichten noch glaubwürdig sind. Wie wir mit der Situation umgehen können, ist Thema der Ausstellung «Fake. Die ganze Wahrheit» im Stapferhaus Lenzburg. Aber nicht nur Falschnachrichten erschweren die Orientierung, sondern auch die Flut an Information und die neuen Selektionsmechanismen.

Algorithmen – Gatekeeper ohne Verantwortung

Heute sind es nicht mehr primär die Journalisten, die Nachrichten filtern und verbreiten. Mit den neuen digitalen Möglichkeiten kann jeder zum Newsproduzent werden. Es entsteht eine unüberschaubare Menge von neuen und thematisch sehr unterschiedlichen Nachrichten. Auch die Art, wie sich die Nachrichten verbreiten, ändert sich. Suchmaschinen und Social-Media-Plattformen bestimmen durch ihre Algorithmen, nach welchen Prinzipien die Nutzer welche Nachrichten sehen. Sie haben die Gatekeeper-Rolle übernommen, allerdings nicht deren gesellschaftliche Verantwortung. Im Gegensatz zu Journalisten prüfen Algorithmen keine Quellen und nehmen keine Rücksicht auf moralische Grundsätze. Ausgespielt wird, was am meisten Klicks und Interaktionen verspricht. Die Chance dazu ist gerade bei sensationellen, empörenden oder unglaublichen Artikeln besonders hoch. Falschinformationen entsprechen diesen Kriterien häufig und verbreiten sich dadurch schneller als journalistische Artikel.

Social Bots – Computerprogramme diskutieren mit
Verbreitet werden Fake News auch durch Computerprogramme, denn die Menschen sind im Internet längst nicht mehr unter sich. Social Bots analysieren Texte, verfassen Beiträge, antworten und diskutieren mit. Die Programmierer nutzen dabei bewusst das Algorithmus-System der sozialen Netzwerke für ihre Zwecke aus. Gemäss einer Studie von Imperva Incapsula generierten Social Bots 2016 rund 52% des gesamten Internet Traffics. Rund 29% waren mit böswilligen Absichten unterwegs waren. (Allerdings wurde die Studie von einer Sicherheitsfirma durchgeführt, die ein gewisses Interesse an einem solchen Resultat hat.) Aber auch Oliver Leistert beschreibt im Buch «Algorithmuskulturen» Social Bots als Piraten und teilt sie den Betrügern, Dieben und Tricksern zu. Sie verkörpern die Kehrseite eines Internets, das mit der vermeintlichen Gratis-Kultur Information für zielgerichtete Werbung und Propaganda sammelt. Die Programmierer investieren viel, damit es ihre Code-Programme schaffen, plausibel als Menschen aufzutreten, und nicht als Social Bot erkannt zu werden: Die Maschinen machen Pausen, haben Freunde und erhalten Geburtstagsglückwünsche. Wie das Magazin Higgs berichtete, werden inzwischen auch Gesichter täuschend echt von künstlichen Intelligenzen kreiert.

Meinungsmanipuation und Einfluss auf die Demokratie
In sozialen Netzwerken können Social Bots leicht für die Manipulation von Meinungen eingesetzt werden. Sie vermitteln sowohl den Algorithmen als auch den menschlichen Nutzern das Gefühl, dass sich sehr viele Personen für ein bestimmtes Thema interessieren. Die Wirklichkeit wird verzerrt. Meinungsforscher, die sich auf Aktivitäten im Netz konzentrieren, erhalten einen falschen Eindruck. Es können gar Wahlresultate und Abstimmungen durch Social Bots beeinflusst werden. Ob und wie stark das der Fall ist, wird in letzter Zeit intensiv diskutiert. Patricia Egli und David Rechtsteiner bestätigten in ihrem Aufsatz «Social Bots und Meinungsbildung in der Demokratie» das Potenzial von Social Bots zur Wahlbeeinflussung, konnten es jedoch nicht nachweisen. Einerseits sei es schwierig Social Bots zu identifizieren und andererseits sei nur schwer messbar, welchen Effekt den Social Bots zugeschrieben werden könne.

Eine Aufgabe für den Journalismus – und für die SAGW-Forschungsinfrastrukturen

Durch die neuen Entwicklungen weitete sich die Watchdog-Aufgabe des Journalismus aus. Während früher die Politik im Fokus der «Wächter» stand, sollten Journalisten nun auch die Entwicklungen der Technologie beaufsichtigen. Jemand muss im Auge behalten, wie Algorithmen funktionieren, welche Nachrichten hoch gewertet werden und welche Meldungen gar nicht erst auftauchen, fordert Mercedes Bunz in ihrem Buch «Die stille Revolution». Eine verlässliche Recherchequelle im Kampf gegen Fake News stellen die Forschungsinfrastrukturen der SAGW dar. Im Dezember hat das Historische Lexikon der Schweiz seine neue Website aufgeschaltet, die nun neue Zugänge zu rund 36‘000 Artikeln bietet. Wie die Qualität in der Wissenschaft gesichert werden kann, ist dann Thema am Science at Noon vom 15. Januar 2019.



Montag, 17. Dezember 2018

Transformative Geistes- und Sozialwissenschaften – Mögliche Beiträge zu den SDGs

PD Dr. Flurina Schneider, Integrative Geographer, Centre for Development and Environment, Universität Bern und SAGUF

Sozial- und Geisteswissenschaften sollen eine wichtige Rolle bei der Umsetzung der UN Nachhaltigkeitsziele spielen (17 SDGs der Agenda 2030). Diese Forderung wird jüngst verstärkt vorgebracht, prominent im Zusammenhang mit dem IPCC Sonderbericht über 1,5 °C globale Erwärmung. Bei der Publikation dieses Berichtes wurde betont, dass die naturwissenschaftlichen Fakten zum Klimawandel inzwischen bekannt sind. Was es nun braucht, sind Beiträge aus den Sozial-und Geisteswissenschaften. Die im Detail erwarteten Beiträge entsprechen aber häufig nicht dem Forschungsinteresse oder Selbstverständnis von sozial- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen. Entsprechend sind ihre VertreterInnen in öffentlichen Debatten und wissenschaftlichen Beiräten zu Nachhaltigkeitsfragen oft untervertreten.

Neue Herangehensweisen
Wie könnten sozial- und geisteswissenschaftliche Beiträge aussehen, welche den eigenen disziplinären Selbstverständnissen entsprechen? Und inwiefern müssen diese Selbstverständnisse weiterentwickelt werden, um transformativ Wirkung in Richtung Nachhaltigkeit zu entfalten? Um diese Fragen näher zu beleuchten, organisierte die SAGUF eine Nachmittagsveranstaltung mit drei Vorträgen (Prof Urs Wiesmann, Prof Christoph Küffer, Dr. Kerstin Krellenberg) und einer moderierten Plenumsdiskussion mit über 40 Teilnehmenden. Die RednerInnen und Teilnehmenden waren sich grösstenteils einig, dass die Sozial- und Geisteswissenschaften verstärkt zur Transformation der grossen gesellschaftlichen Herausforderungen im Zusammenhang mit den SDGs beitragen sollten, und dass es dazu eine Erweiterung der traditionellen Herangehensweisen bedarf. Es wurde aber intensiv darüber debattiert, was wesentliche Beiträge und legitime Rollen der Wissenschaft und Formen der Zusammenarbeit mit der Gesellschaft sein könnten.

Im Folgenden möchte ich fünf der diskutierten Praktiken und dazugehörende Veränderungstheorien kurz skizzieren:

1.    Evidenz und Kontingenz

Die Generierung von Evidenz zu sozio-kulturellen und ökonomischen Aspekten (un)nachhaltiger Entwicklung ist für verschiedene empirisch arbeitende WissenschaftlerInnen ein wichtiges Ziel. So untersucht beispielsweise die Psychologie menschliches Verhalten in Bezug auf Umweltschutz oder Massnahmen für eine verbesserte Kommunikation. Die Diskussion machte aber klar, dass sozial- und geisteswissenschaftliche Beiträge weit über die Produktion von Evidenz hinaus gehen können. Eine Historikerin betonte beispielsweise, dass die historische Analyse nicht einfach nur beschreiben und erklären will, wie Transformation in der Vergangenheit abgelaufen ist, sondern Transformation in ihrer Kontingenz aufzeigen kann. Mit anderen Worten, es geht auch darum, den Verlauf der Geschichte zu hinterfragen und Möglichkeitsräume aufzuzeigen, wie es anders hätte verlaufen können. Dadurch können die gesellschaftlichen Akteure ihre Sichtweisen auf die Welt und ihre Handlungsmöglichkeiten verändern.

2.    Dekonstruktion und Hoffnung
Kritik, Reflexion, und Antizipation sind weitere zentrale Bestandteile von sozial- und geisteswissenschaftlichen Arbeiten. Teilnehmende betonten deren Wichtigkeit, um bestehende Ungerechtigkeiten und Machtungleichgewichte aufzudecken, ethische Fragen zu reflektieren oder vor negativen Entwicklungen zu warnen. Es wurde jedoch auch betont, dass Kritik alleine nur selten zu den gewünschten Veränderungen führt. Herrschende Zustände und Diskurse müssen nicht nur dekonstruiert werden, es braucht auch konstruktive, aufbauende, und emanzipatorische Beiträge, welche Orientierung und Hoffnung für gesellschaftliches Handeln vermitteln. Dies ist besonders wichtig in einer Zeit, wo sich negative Nachrichten zur Entwicklung der Welt überschlagen.

3.    Transdisziplinäre Verbindung zwischen System-, Ziel- und Handlungswissen
Seit der Lancierung des ProClim/CASS Berichts (1997) beteiligen sich empirisch orientierte Sozial- und GeisteswissenschafterInnen an der transdisziplinären Erforschung von Nachhaltigkeitsproblemen. Sie gehen davon aus, dass die Lösung dieser Probleme nur gelingen kann, wenn man die Dynamiken versteht, welche zu ihrem Entstehen führen (Systemwissen), die Werte und Ziele einer nachhaltigeren Welt klärt und verhandelt (Zielwissen), sowie handlungsrelevantes Wissen erzeugt, welches effektive Veränderungen ermöglicht. Damit das erarbeitete Wissen Wirkung entfalten kann, braucht es eine Zusammenarbeit mit diversen gesellschaftlichen Akteuren. Diese transdisziplinären Prozesse zu gestalten und zu analysieren, ist ein weiterer wichtiger Beitrag.

4.    Förderung von Fähigkeiten
Die drei Wissensformen sind auch für Vertretende der Environmental Humanities relevant. Für sie stehen aber weniger die erzeugten Wissensbestände im Zentrum, sondern die Förderung von Fähigkeiten: Beim Systemwissen geht es um die Befähigung zum kritischen Denken und Reflektieren der Zusammenhänge, aber auch der historischen Wurzeln; Zielwissen beinhaltet die Pflege der Vielfalt als Fundament; Handlungswissen generiert die Fähigkeit, mit den grossen Veränderungen umzugehen und gesellschaftliches Zusammenleben zu erhalten. Es wird betont, dass Transformation nicht als ein rein wissensbasierter Prozess betrachtet werden soll, sondern dass es auch um Emotionen und konkretes Erleben geht.

5.    Räume für kreative und reflexive Interaktion

Um innovative Möglichkeiten auszuloten, wo wissenschaftliche Beiträge mit Emotionen und konkretem Erleben verbunden werden, braucht es aus Sicht einiger Teilnehmenden neue Ansätze wie Reallabore oder Living Labs, wo WissenschaftlerInnen mit gesellschaftlichen Akteuren an neuen Ideen und konkreten Veränderungen arbeiten. Dazu gehören auch Kunstprojekte oder die Zusammenarbeit zwischen Künstlern und Wissenschaftlern wie z.B. am Eco Film Festival in Zürich oder an der Ausstellung Sounding Soil (bis vor Kurzem im Zentrum Paul Klee).


Was sind weitere Beiträge der Sozial- und Geisteswissenschaften zur Erreichung der UN Nachhaltigkeitsziele? Wir, das SAGUF Organisationsteam mit Olivier Ejderyan, Basil Bornemann, Andreas Kläy und mir, freuen uns über eine Weiterführung dieser Diskussion.

Montag, 10. Dezember 2018

Der «Umgang mit der Lawinengefahr» als immaterielles Kulturerbe

Dr. Manuela Cimeli, SAGW, Projekt «Sprachen und Kulturen»

Am 29. November 2018 hat die UNESCO die gemeinsam eingegebene Kandidatur der Schweiz und Österreichs zum Umgang mit der Lawinengefahr in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.

Neue Anforderungen an den Umgang mit Lawinen
Aus der Theorie wissen wir, dass Lawinen im schneebedeckten Gelände ab einem Neigungswinkel von 30° abgehen können. Allerdings müssen auch Faktoren wie die Exposition eines Hanges, die Schnee-, Wetter und Windverhältnisse der letzten Tage oder Wochen, die Hangform, die Topographie und beispielsweise auch die Kammnähe eines potentiellen Lawinenhangs beachtet werden. Eine einfache Faustregel lautet daher: «Je steiler ein Hang, desto gefährlicher ist er.»
Lawinen fordern seit Jahrhunderten unzählige Menschen- und Tierleben. Viele Text- und Bildzeugnisse aus vergangenen Zeiten erzählen von dieser Naturgefahr oder bilden sie ab. Wer im Alpenraum leben oder sich aufhalten will, musste und muss sich zwangsläufig mit der Lawinengefahr auseinandersetzen. Der Umgang mit der weissen Gefahr wurde in den letzten Jahrzehnten immer wissenschaftlicher. Durch das gewachsene Freizeitangebot halten sich immer mehr Personen in potentiellen Lawinengebieten auf, müssen immer mehr Schutzmassnahmen für exponierte Verkehrswege gebaut werden und sind auch die Siedlungs- und Raumplaner gefordert, Lawinenverbauungen aufzustellen bzw. möglichst lawinensichere Gebäude zu errichten.

Lawinen als immaterielles Kulturerbe
Das Wissen, welche Lawinenzüge erfahrungsgemäss ins Tal donnern, wird meist mündlich von einer Generation zur nächsten weitergegeben. Die Leute haben den verschiedenen Lawinenzügen bzw. den Lawinen auch Namen gegeben, welche dann an die nachfolgenden Generationen tradiert werden. Und trotzdem geschehen immer wieder Lawinenunglücke: Trotz des täglich zweimal aktualisierten Lawinenbulletins des Schweizerisches Lawinenforschungsinstituts (SLF) in Davos, trotz präziser Wettermodelle, trotz kompetenter Risikoeinschätzung und trotz des grossen Wissens, das wir von früheren Generationen her überliefert bekommen haben, ist die Gefahr des weissen Todes nicht gebannt und es sterben im Schnitt im Winter jährlich 25 Menschen in der Schweiz bei Lawinenunfällen. Es gibt die populäre Redewendung «Die Lawinen kommen dort, wo sie immer kommen; aber auch dort, wo sie nie kommen.». Sie zeigt sehr deutlich, dass bei allem Erfahrungswissen und trotz der Expertisen von ausgewiesenen Fachleuten der Umgang mit der Lawinengefahr auch für künftige Generationen eine sehr aktuelle Thematik bleiben wird, ein immaterielles Kulturerbe, das nun auch auf der UNESCO-Liste steht.

Lebendige Traditionen in der Schweiz
Die Schweiz hat sich am 16. Oktober 2008 durch die Ratifikation des UNESCO-Übereinkommens zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes (IKE) verpflichtet, ein „Inventar des immateriellen Kulturerbes in der Schweiz“ zu erarbeiten, zu führen und periodisch zu aktualisieren. Dieses Inventar ist seit Herbst 2012 unter dem Titel „Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz“ in Form einer umfassenden Dokumentation des immateriellen Kulturerbes der Schweiz in Wort, Bild und Ton auf www.lebendige-traditionen.ch zugänglich.

Montag, 3. Dezember 2018

Isaak Iselin : entre destin contrarié et œuvre d’envergure

Fabienne Jan, ASSH, responsable « commissions et curatoriums »

Si l’on ne craint pas les anachronismes, on peut aisément imaginer que le philosophe bâlois Isaak Iselin (1728 – 1782) aurait apprécié qu’une Académie de son temps se souciât de l’avenir des post-doctorants comme lui en publiant un rapport « Next Generation : pour une promotion efficace de la relève », lui dont l’avenir académique (ou non) dépendait tout bonnement du résultat arbitraire d’un simple tirage au sort. Et le sort a choisi, en l’occurrence, et à plusieurs reprises, de ne pas lui octroyer la chaire professorale à l’Université de Bâle qu’il souhaitait obtenir. Cela ne l’a pas empêché, fort heureusement pour lui comme pour nous, de devenir un grand penseur de son temps et de laisser à la postérité une œuvre importante dont l’édition commentée vient d’être terminée.

Un philosophe progressiste et engagé
Ses études de philosophie et de droit terminées et son doctorat en poche, ce n’est donc pas comme professeur d’université qu’Isaak Iselin a gagné sa vie, mais comme Secrétaire du Conseil de la Ville de Bâle, fonction qu’il devra occuper un peu contre son gré jusqu’à sa mort. Une fois encore, les aléas de la vie ont en effet contrarié ses ambitions et l’ont empêché d'accéder au gouvernement. Six fois délégué à la Diète fédérale, Iselin devint bientôt le porte-drapeau d'une opposition progressiste : il se battit pour étendre l'accès à la bourgeoisie, réformer l'école, le budget de l'État et l'économie publique. Mais ses démarches devaient régulièrement se heurter au conservatisme de la république bâloise, comme nous l’apprend le Dictionnaire historique de la Suisse. Malgré ces différents vents contraires, Iselin réussit à mener à bien plusieurs projets philanthropiques. Ainsi, entre 1761 et 1762, il co-fonde avec un cercle d’amis et d’esprits éclairés la Helvetische Gesellschaft (Société Helvétique), dont l’objectif était notamment de promouvoir l’amitié et la concorde au sein de la Confédération des XIII cantons. Ce faisant, il a exercé une influence importante en tant que médiateur culturel entre les régions linguistiques francophone et germanophone. En 1777, dans le but de promouvoir au niveau local l’éducation et lutter contre la pauvreté des couches les plus défavorisées de la population, il fonde à Bâle la Gesellschaft zur Aufmunterung und Beförderung des Guten und Gemeinnützigen, qui existe toujours de nos jours sous l’appellation Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige ou GGG (Société de bienfaisance et d’utilité publique).

Une œuvre aux multiples facettes

Bien que très lourd en termes de charge de travail, son emploi (ainsi que sa famille de neuf enfants) lui permettra néanmoins de poursuivre au fil des années l’écriture d’une œuvre d’envergure qui témoigne de sa conception chrétienne humaniste des Lumières. Traitant de questions tout à la fois éthiques, politiques, sociales, économiques ou encore pédagogiques, ses écrits débutèrent avec Träume eines Menschenfreundes et culminèrent avec son œuvre maîtresse, Geschichte der Menschheit, où sa philosophie de l’histoire dessine un progrès linéaire vers l’humanité et s’inscrit ainsi en faux contre le dénigrement rousseauiste de la civilisation. Malgré de nombreux efforts, Iselin n’a jamais réussi à publier de son vivant ses œuvres majeures. Il était donc plus que temps, quelque 230 ans plus tard, de remédier à cette lacune. A cet effet, l’ASSH a fondé en 2010 un curatorium scientifique qui a contribué à développer le projet d'édition et l'a accompagné depuis ses débuts. Le curatorium a été présidé d’abord par le Prof. Kaspar von Greyerz, puis, après son départ à la retraite en novembre 2013, par la Prof. Claudia Opitz-Belakhal (tous deux de l'Université de Bâle). Les œuvres centrales d’Iselin ont été réparties en quatre volumes (1. Schriften zur Politik, 2. Schriften zur Ökonomie, 3. Schriften zur Pädagogik, 4. Geschichte der Menschheit) qui ont tous été publiés entre 2014 et 2018 chez Schwabe.

Fin des travaux d’édition
Avec la parution récente du volume 4, les œuvres majeures d'Isaak Iselin sont donc désormais disponibles dans leur intégralité. Une manifestation de clôture des travaux aura lieu le 15 décembre prochain à Bâle pour présenter au public l’ensemble de l'édition. Si l’ASSH est bien sûr arrivée trop tard pour aider le Bâlois à faire carrière au sein de son alma mater, au moins aura-t-elle pu contribuer à ce que ses œuvres centrales soient enfin réunies et publiées dans une édition accompagnée d’un commentaire détaillé. Une manière de rendre à Isaak Iselin, l'une des personnalités bâloises les plus remarquables du XVIIIe siècle et l'un des représentants suisses majeurs des Lumières, ce qui lui revient de plein droit. L’ASSH remercie toutes celles et ceux qui ont rendu possible ce beau projet d’édition et qui l’ont mené à bien grâce à leur précieux engagement.

Montag, 26. November 2018

Wenn die Vergangenheit aus dem Gletscher schmilzt

Dr. Manuela Cimeli, SAGW, Projekt «Sprachen und Kulturen»

Frühbronzezeitliche Scheibenkopfnadel
© Archäologischer Dienst des Kantons Bern
Kathrin Glauser
Aufgrund des Klimawandels und der damit einhergehenden steigenden Temperaturen schmelzen die Gletscher rasch ab und einzelne Eisfelder oder bisher von Eis zugedeckte Höhleneingänge geben immer wieder archäologisch interessante Funde frei. Die bekannteste Entdeckung in diesem Kontext stellt der Fund der Eismumie Ötzi im Südtirol dar – dies war gleichzeitig die Geburtsstunde der bisher im europäischen Alpenraum unbekannten Fachrichtung der Gletscherarchäologie. Das Arbeitsgebiet der Gletscherarchäologen befindet sich auf über 2500 m Höhe. Archäologisch interessante Funde sind menschliche, tierische oder pflanzliche Überreste, Textilien (z.B. Wolle), Holz oder Leder, Metall (z.B. Münzen) oder auch Steinfunde (z.B. Pfeilspitzen).

Zugang zum Alltag in der Frühzeit
Von besonderem Wert sind die organischen Fundstücke, die in tieferen Lagen in den seltensten Fällen konserviert bleiben. Die besondere Bedeutung der Fundstücke liegt darin, dass wir dank ihnen Zugang erhalten zu bisher weitgehend unbekannten sozialen Bereichen der Frühzeit wie beispielsweise der Bekleidung und Ausrüstung von neolithischen, bronze- und eisenzeitlichen oder keltischen Reisenden (Händlern, Jägern, Bauern), oder dann auch römischen Soldaten. Zudem erfahren wir, welche hochalpinen Wege bereits in der Frühzeit begangen wurden und wir können daraus auch Rückschlüsse ziehen auf die damals herrschenden klimatischen Bedingungen. Für einmal ermöglichen uns archäologische Funde einen Blick auf einen Teil der breiten Bevölkerung und nicht nur auf Vertreter einer privilegierten Oberschicht. Eine Kontextualisierung und Interpretation der Fundstücke ermöglicht uns kurze Momentaufnahmen in den Alltag einer grösstenteils unbekannten Geschichte unserer hochalpinen Regionen. Insofern ist die kulturgeschichtliche Bedeutung der Funde von unermesslichem Wert.

Gletscherschmelze mit Folgen
Allerdings stellt der rasante Gletscherschwund das junge Fachgebiet der Gletscherarchäologie vor gewaltige Herausforderungen. Einerseits zersetzen sich oder zerfallen die organischen Funde, welche während Jahrzehnten, Jahrhunderten oder Jahrtausenden im Eis unter mehr oder weniger konstanten Umweltbedingungen lagerten, sehr schnell, wenn sie an die Luft kommen. Andererseits sind die Gletscherarchäologen nicht immer vor Ort, wenn ein Fund aus dem Eis ausschmilzt.
Im Geschichtsmuseum Wallis ist noch bis zum 3.3.2019 die Ausstellung «Aus dem Eis: Spuren in Gefahr» zu besichtigen. Sie vereint Gletscherfunde von neolithischer Zeit bis in die Neuzeit und gibt einen spannenden Einblick in die Thematik der Gletscherarchäologie.

Archäologische Funde nicht anfassen
Um möglichst wenige Funde für immer zu verlieren, setzen die Archäologen auf die Sensibilisierung von Personen, die sich regelmässig im Hochgebirge bewegen, sei es aufgrund ihrer Arbeit, oder während der Freizeit. Die Konferenz der Schweizer Kantonsarchäologinnen und Kantonsarchäologen (KSKA) ist daran, eine Informationswebsite zu erstellen. Es geht darum, der breiten Bevölkerung zu vermitteln, was getan werden muss, wenn man auf archäologisch interessante Funde stösst:
  • Funde nicht anfassen
  • Funde und Kontext fotografieren
  • Lokalisieren (GPS)
  • Ort markieren, damit er wiedergefunden werden kann
  • Kantonsarchäologie informieren – bei menschlichen Überresten auch Polizei

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Save the Date: SAGW-Tagung zur Gletscherarchäolgie, Montag 6. Mai 2019, Alpines Museum Bern
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Montag, 19. November 2018

Santé et médecine : les défis d’une société vieillissante

Lea Berger, SAGW, projet «Ageing Society»

Ageing Society ©Viacheslav Iakobchuk – fotolia.com
Quelle influence l’augmentation de l’espérance de vie a-t-elle sur les coûts de la santé ? Comment concevoir, dans le contexte du vieillissement démographique, une médecine d’avenir durable ? Comment assurer la viabilité de notre système, non seulement dans une perspective économique, mais aussi d’un point de vue social ? Le 7 novembre 2018, des experts se sont réunis à Pully (VD) lors de l’événement « Forum santé : les défis de la longévité » (organisé par le quotidien Le Temps) afin de débattre et d’échanger sur ces questions. Inspirés par ces discussions, nous nous penchons, dans cet article du blog de l’ASSH, sur la question du système de santé d’une société vieillissante.

Longévité et coûts de la santé : un facteur surestimé
Notre système de santé nous coûte de plus en plus cher, tant en chiffres absolus qu’en comparaison avec d’autres indicateurs économiques. Effectivement, depuis 1996 (introduction de l’assurance obligatoire des soins), la croissance des coûts de la santé a été deux fois plus importante que celle du PIB en Suisse. Mais qu’en est-il de la corrélation entre longévité et augmentation des coûts de la santé ? Souvent nommée comme cause importante de la hausse des coûts, la longévité n’en est de loin pas la seule. Effectivement, selon plusieurs études micro- et macro-économiques citées dans un rapport de l’OFS, le vieillissement démographique a une importance relativement faible sur les coûts de la santé en comparaison avec d’autres facteurs comme le progrès technique ou l’augmentation du volume de prestations. Aussi, des facteurs structurels entre autres liés à des systèmes de tarification générant des incitations coûteuses sont considérés comme importants pour l’évolution des coûts de la santé, comme le relève un rapport d’experts mandatés par l’OFSP. (Cf. également le colloque du 25 octobre 2018 intitulé « Pouvoir et médecine : Le pouvoir de l’argent » organisé par l’ASSH et l’Académie suisse des sciences médicales dans le cadre du projet « Medical Humanities » et le blog «Gesundheitssystem: Die Macht des Geldes».)

Vers une nouvelle définition de la santé
Malgré ces considérations, l’évolution démographique nous force à nous poser la question d’une « bonne » prise en charge des soins et de l’accompagnement des personnes âgées. La recherche sur la fin de vie, au travers du rapport de synthèse du PNR 67, livre des impulsions précieuses à ce sujet. Le rapport insiste fortement sur la notion de « dignité » et donc sur des aspects qui dépassent une vision médicale réduite à des symptômes physiques isolés. Dans ce contexte, les efforts entrepris en Suisse pour développer les soins palliatifs généraux sont certainement une chance et une voie à poursuivre (cf. https://www.plattform-palliativecare.ch). En outre, il est grand temps de lancer le débat sur une nouvelle définition de la santé basée sur le concept de la qualité de vie fonctionnelle, tel que le propose la stratégie de l’OMS sur le vieillissement démographique (« Global Strategy and Action Plan on Ageing and Health »), et d’adapter le système de santé et l’accompagnement des personnes âgées en conséquent.

La santé : un bien qui se construit tout au long de la vie en société
Il est primordial de souligner que la santé ne pourra pas faire face seule aux défis que pose notre société vieillissante en termes de coûts de la santé. En effet, ce n’est pas la médecine qui « construit » la santé des individus en premier lieu, mais bien la société dans son ensemble et au travers de toutes les générations (cf. C. Burton Jeangros, Trajectoires de santé, inégalités sociales et parcours de vie, 2016).