Donnerstag, 21. September 2017

Mach das doch selber

Dr. Franca Siegfried Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften
Herzlich willkommen! Seit diesem Juli ist das Hotel mit 21 Zimmern in Uster eröffnet. „Durch das top moderne ‚Self Check-in-Konzept“ bietet Ihnen das Hotel Tilia höchste Flexibilität bei der An- und Abreise“, so steht es auf der homepage. Im Hotel arbeitet keine charmante Rezeptionistin oder ein leutseliger Concierge. Der Gast vom Tilia übernimmt mit Self Check-in ihre Arbeit, ohne Trinkgeld und ohne zu murren – alles im Dunst der Anonymität.

Der schuftende Kunde
Tickets daheim ausdrucken, Koffer einchecken – Kunden arbeiten, ohne dass sie einen Franken Lohn bekommen. Die Internationale Air Transport Association, Iata hat die Swiss für den Self-Service ausgezeichnet – 80 Prozent der Passagiere können selber einchecken. Bald steigen alle Fluggäste ohne menschlichen Kontakt ins Flugzeug. Iata schätzt, dass sich dank Self-Service weltweit 1 Milliarde Dollar sparen lässt. Seit G. Günter Voss als Co-Autor die soziologische Studie «Der arbeitende Kunde» vor zwölf Jahren publizierte, hat sich viel verändert. Inzwischen sind alle Branchen vom Self-Service-Virus infiziert. In Online-Foren helfen sich Kunden gegenseitig – die Hotline ist entlastet. Über Social Media verteilen sie Likes, auf Buchungsplattformen schreiben sie Bewertungen. Oder Kunden unterstützen begeistert das Guerilla-Marketing bei Neulancierungen von Apple, indem sie vor dem Store stundenlang ausharren.

Es gibt immer was zu tun
Ein Stadtrand ohne Baumarkt ist heute wie ein Dorf ohne Kirche. In den 1950er-Jahren begeisterten sich Europas Männer für den amerikanischen Do-it-yourself-Trend, seither boomt der Baumarkt. Damals bekam der Vater einen Bastelkeller, der zum männlichen Refugium erklärt wurde: Darin durfte er hämmern und seiner Familie vorführen, wo sein Hammer hängt. Mit dem Bastelraum liess sich die Geschlechterrolle in der Nachkriegszeit bestens zementieren: Die Mutter am Herd – der Vater im Bastelkeller. Dieses Massenphänomen hat der deutsche Historiker Jonathan Voges in seinem Buch «Selbst ist der Mann» beschrieben.

Self-Scanning
Dem handwerklichen Selbermachen eröffnet die Digitalisierung weitere Dimensionen. Hier geht es nicht nur um Basteln und Geschlechterrollen, sondern um Automatisation und Gewinnmaximierung: Unternehmen setzen Kunden als Produktionsfaktor ein. Coop verfügt über 1400 Self-Scanning-Kassen und es sollen noch mehr werden. Inzwischen scannt jeder dritte Kunde seine Einkäufe selber ein: Einfach, zeitsparend, anonym ohne jeglichen Menschenkontakt. Diese Szene, wie die Kassiererin von ihrem Drehsessel aufsteht und mit einer nichtabgewogenen Banane in die Früchteabteilung schreitet, die ist mit Self-Scanning passé. Für die wenigen Minuten einscannen wird jeder Kunde zum Coop-Angestellten. In diesem Fall ist sogar die Geschlechterrolle neutralisiert. Waren es meistens Frauen, welche die Kassen bedienten, sind es bei den Kunden Frauen wie Männer, die sorgfältig ihre Banane über den Scanner ziehen. In fünf Jahren soll jedoch auch das Einscannen vorbei sein. Danach wird nur noch eine grosse Datenwolke alles speichern, abrechnen und dabei wichtige Informationen über jeden Kunden sammeln.

Bewegungsprofil
Die neue App heisst nicht let’s go, sondern Lezzgo: Mit dem Mobil in der Tasche reisen ohne Vorauszahlung. Beim Einsteigen auf seinem Mobil mit einem Klick einchecken. Die Reisestrecke wird per GPS und Mobilfunk erfasst – beim Aussteigen ausklicken, danach wird abgerechnet. Partner in dem Pilotprojekt sind SBB, BSL und Post Auto – eine Testphase läuft seit diesem Sommer. Der Datenschutz wird noch viel zu diskutieren geben, etwa auch wie lange das Bewegungsprofil eines Reisenden gespeichert werden darf. Das Bewegungsprofil eines Koffers ist vom Datenschutz her weniger problematisch. Dank eines Chips, der am Koffer befestigt wird, weiss der Kunde bei der amerikanischen Fluggesellschaft Delta Air genau, wo sich sein Koffer gerade befindet. Diese RFID-Technik oder radio-frequency identification wird die Gepäckabwicklung nochmals revolutionieren.
  
Do-it-yourself Wetterfrosch
Das Wetter ist meistens die einzige, nachhaltige News am Morgen im Radio oder auf dem Mobil. Je nach Prognose muss der Schirm eingepackt werden und wehe der Meteorologe lag falsch. Darum hat die Idee des Berner Geografen Urs Neu durchaus Bestand. Warum basteln wir uns unsere Wetterprognose nicht selber, fragte er sich und schrieb ein Meteorologiebuch für Laien. Urs Neu kennt die besten, frei zugänglichen Wetterkarten im Internet, damit jeder auch die 500-hPa-Höhenwetterkarte verstehen kann. Werden durch die Self-Wetterprognosen etwa auch die TV-Meteorologen-Trio Bucheli, Boner und Eitel wegrationalisiert werden? Immerhin haben schon viele Dienstleister wegen dieser Self-Bewegung ihren Job verloren. https://www.haupt.ch/Verlag/Buecher/Natur/Weitere-Naturwissenschaften/Do-it-yourself-Wettervorhersage.html
-->

Donnerstag, 14. September 2017

Über die Kunst des humanen Alterns

Dr. Franca Siegfried Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften
Age-Shaming, New-Age, doing Age, Best Ager und age-friendly Cities... könnte die Sprachverwirrung am Turmbau zu Babel etwa auch zum Sinnbild für die neue Kultur des Alterns werden? Tatsache ist, dass die zwischen 1946 und 1964 Geborenen die demografische Entwicklung der Schweiz in den nächsten Jahren dominieren werden. Diese geburtenstarke Kohorte gibt sich mit den gängigen Stereotypen des Alterns keineswegs zufrieden. Eine soziokulturelle Verjüngung ist schon jetzt beobachtbar und widerspricht Negativszenarien, die eine Vergreisung der Gesellschaft ankündigen. Auf der Suche nach einem guten Leben sorgen die neuen, fitten oder zukünftigen „Best Ager“ für eine gesellschaftliche Debatte, welche auch die Wissenschaft in allen Disziplinen beschäftigt.

Altern gehört zum Leben
Wie im Alten Testament leiden im Age-Babylon auch Menschen an Selbstüberhöhung: So haben sich die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin das Ziel gesetzt, den Tod zu überwinden (siehe NZZ am Sonntag, 10.9.2017). Bis jetzt lässt sich jedoch das biologische Altern nicht stoppen, obwohl schon Milliarden an Forschungsgeldern investiert wurden. Den Biotechnologen kommt das soziologische Alter in die Quere: Die Lebenserwartung ist auch vom sozialen Status und der Bildung abhängig. Im European Observatory (2015) des Gesundheitssystems liess sich aufzeigen, dass Männer in der Schweiz mit einer Volksschulausbildung fünf Jahre weniger lang leben als mit einer tertiären Ausbildung. Nicht nur die 21 Chromosomen beeinflussen das Altern, sondern wer ohne Anerkennung, Respekt und fremdbestimmt leben muss, der altert schneller. Folgerichtig ist eine Altersforschung in den Kultur-, Sozial- und Geisteswissenschaften besonders gefragt – siehe Dossier im SAGW-Bulletin 1/16 „Gesund altern in der Schweiz“.

«a+ Platform Ageing Society» vernetzt Wissen für alternde Gesellschaft
Für einen inter- und transdisziplinären Wissensaustausch lancieren die Akademien der Wissenschaften Schweiz zusammen mit der Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften eine Internet-Plattform. Seit dem 13. September ist die Webseite mit 29 Partnern und weiteren Stakeholdern aufgeschaltet. Damit sichert sie nicht nur den Überblick, sondern auch den Zugang zu aktuellen Informationen, Studien und partizipiert an dem Globalen Strategie- und Handlungsplan zum gesunden Altern der Weltgesundheitsorganisation WHO:

Eine unheilige Debatte
„Soziale Stellung und Ansehen alter Menschen wurden im christlichen Europa – im Vergleich zu vielen aussereuropäischen Kulturen – durch zwei kulturelle Besonderheiten geschwächt: Zum einen schloss die christliche Religion Ahnenverehrung und Ahnenkult aus, was Ansehen und Stellung alter Familienmitglieder verringerte“, schreibt der Soziologe François Höpflinger im Sammelband „Kulturen des Alterns“ (vgl. Höpflinger, Hrsg. Zimmermann et al., 2016, Campus Verlag). Zum anderen praktizierte die Kirche eine Aufwertung der Ehe und zugleich eine Abwertung der Sippenregeln. Mit dem Durchbruch der Industrialisierung und der Schaffung der Sozialwerke wurde die Stellung alter Menschen in der Gesellschaft noch schlechter. Aktuell verstärkt sich mit der Schieflage der AHV und der kommenden Abstimmung eine Debatte zwischen den Generationen. Die junge FDP-Präsidentin Petra Gössi schnödet über Senioren, die ihre Rente im Ausland verjubeln. Verursachen alte Menschen nur noch Kosten?

Das Alter im Witz
Im Sammelband „Kulturen des Alterns – Plädoyers für ein gutes Leben bis ins hohe Alter“ (Campus Verlag) haben 29 Wissenschafter aus unterschiedlichen Disziplinen ihre Gedanken und Erfahrungen publiziert. Die Geisteswissenschafterin und Medizinerin Franziska Polanski machte eine empirische Studie über Altersbilder in Karikaturen und findet im Bilderwitz längst überholt geglaubte Altersstereotypen. Negative Altersbilder haben sogar in den letzten Jahren in Karikaturen zugenommen. Beweist der Anstieg von einseitig defizitären Darstellungen des Alters eine Gegenreaktion auf das neue Leitbild vom aktiven „Alten“, fragt sich Franziska Polanski (vgl Polanski, Hrsg. Zimmermann et al., 2016, Campus Verlag).

Age-Shaming
«Ich schwamm mit einem 80-jährigen Mann über einen See und hatte Mühe mitzuhalten, ich rannte mit einer 86-jährigen Frau durch den Wald, und das lauteste Schnauben auf der Kamera war meines», sagt der 29-jährige Regisseur des neuen Schweizer Films «Aktiv ins Alter». Manuel Schweizer erzählt die Geschichten von Menschen, die das Leben mit Leidenschaft angehen und das tun, was sie glücklich macht. Schweizers Protagonisten im Film leiden nicht am so genannten Age-Shaming und ignorieren ihr biologisches Alter. Die Schönheitsmediziner jedoch profitieren vom Age-Shaming und haben sich auf Falten, Furchen, Altersflecken und Hängebusen spezialisiert. Diese Mediziner machen sich im Geschäft mit der Schönheit wenig aus Krankenkassentarifen und ethischen Fragen: Es gilt der Wunsch der Klienten nach jungem Aussehen.

Doing Age
Esther Gajek der deutschen Universität Regensburg hat anhand von Seniorenprogrammen in deutschen Museen aufgezeigt, wie die über 65-Jährigen als senil abgestempelt werden und damit das defizitäre Bild des geistigen Potentials im Alter zementieren. Demzufolge fordert Esther Gajek eine differenzierte Museumspädagogik: „Alter ist kein Schicksal, sondern wird gesellschaftlich konstruiert“, schreibt die Kulturwissenschafterin (vgl.Gajek, Hrsg. Zimmermann et al., 2016, Campus Verlag).

Age-Friendly
Was geht in einer alternden Gesellschaft vor, fragt sich auch der Soziologe Klaus R. Schroeter (vgl.Gajek, Hrsg. Zimmermann et al., 2016, Campus Verlag). Das Alter ist nicht mehr grau, sondern bunt und schillernd geworden. Das Alter ist auch nicht mehr Schicksal, sondern eine zu bewältigende Aufgabe in der dritten Lebenszeit. Ein „Alterskraftunternehmer“ muss sich als „Ich-AG“ in Eigenregie verwalten. Wohnt er in einer age-friendly City ist ihm der Weg offen für ein gelindes Altern. Als altersfreundlicher Ort hat Riehen bei Basel Modellcharakter. In der wohlhabenden Gemeinde ist jeder dritte Einwohner über 65 Jahre alt, entsprechend hat sich die Infrastruktur angepasst. Der Karikaturist Felix Schaad illustrierte im Tages-Anzeiger (24.7.2017) die Rushhour in „Geriat-Riehen“ mit Rollator, Rollstuhl, Nordic Walking Stock und E-Bike...




-->

Donnerstag, 7. September 2017

Zum Staunen über Pracht und Macht

Dr. Franca Siegfried Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften
Es gibt nicht Innenarchitektur und Aussenarchitektur. Architektur ist immer ein Ganzes. Architektur ist auch keine Skulptur“, sagte Christoph Gantenbein in einem Interview. Er hat zusammen mit Emanuel Christ das Landesmuseum bzw. das Nationalmuseum in Zürich erweitert und den Neubau des Kunstmuseums Basel entworfen. Am Samstag den 9. September werden Christ und Gantenbein über ihre Projekte am Europäischen Tag des Denkmals berichten. Das Büro der Architekten ist im geschichtsträchtigen Haus der Seidenbandfabrik Senn in Basel untergebracht. Hier ratterten einst Webstühle, damit sich die europäische Hautevolee mit schimmernden Bändern schmücken konnte.

Versteinerte Macht
Mit „Macht und Pracht“ präsentieren sich die Europäischen Tage des Denkmals am Samstag 9. und Sonntag 10. September. Ein 265 Seiten starker Führer nach Kantonen gegliedert, zeigt auf, wo was los ist. Bundesrat Alain Berset schreibt im Vorwort: „In Bauwerken wird Macht zu Stein. In der Architektur sind immer Herrschaftsverhältnisse eingeschrieben.“ Der Bundesrat betont auch, dass Baudenkmäler uns helfen zu verstehen, wer wir waren und wer wir sind: „Ratshäuser und Schulhäuser zum Beispiel erzählen immer auch von Wertvorstellungen.“ Darum treffen sich pädagogisch Interessierte am Sonntag im Schulhaus Amriswil im Thurgau. Dort werden die beiden Professoren Jürgen Oelkers und Damian Miller über die Macht in der Pädagogik diskutieren. Und in Schwyz kann sich die Bevölkerung ein Bild machen, wie die politische Macht in ihrem Kanton haust: Am Samstag wird Denkmalpfleger Dr. Thomas Brunner durch das Regierungsgebäude führen.

Hinter Gittern
Inspiriert von den Europäischen Tagen des Denkmals «Macht und Pracht» berichtet die Fachzeitschrift k+a (Kunst und Architektur) über Architektur und Geschichte von Schweizer Haftanstalten. Bis weit ins 20. Jahrhundert waren in Stadttoren, Schlössern oder Klöstern oftmals Gefängnisse untergebracht. Neben den umfunktionierten Bauten entstand jedoch auch die erste Justizvollzugsanstalt im aargauischen Lenzburg mit einer radialen Gefängnisbauweise. Im Jahr 1864 verfügte Lenzburg über das modernste Gefängnis in Europa. Heute ist es ein Sinnbild der modernen Disziplinargesellschaft, gemäss dem französischen Philosophen Michel Foucault, der sich über „Die Geburt des Gefängnisses“ Gedanken machte.

Kulturelles Erbe für morgen
Jean-François Steiert, Präsident der Nationalen Informationsstelle zum Kulturerbe NIKE, beschreibt im Führer des Denkmaltages, wie Kathedralen, Schlösser und Museen Teil unseres Daheims sind.
„Solche Bauten sind Wahrzeichen, Orientierungspunkt – auch für uns selber in dieser Gegenwart, in dieser Gesellschaft. Das ist der Wert, der diesen Gebäuden innewohnt.“ Damit meine er nicht etwa die Kosten des Unterhaltes, was in der Politik oft Debatten auslöst, sondern es gehe ihm um den politischen Diskurs über das kulturelle Erbe. „Unsere Gesellschaft hat die Pflicht, den nächsten Generationen geschichtliches Bewusstsein auch mit gebautem Erbe zu vermitteln – sei es durch die notwendigen Aufwendungen für die Pflege des Bisherigen oder durch den Mut, heute gesellschaftliche Werte durch Bauten zu illustrieren, die morgen zum Erbe gehören werden.“ Jean-François Steiert hat wohl auch ein Faible für moderne Architektur. Wer neues bzw. zukünftiges Erbe besichtigen möchte, der muss im Denkmal-Führer lange blättern. Nur in Basel scheint genügend Geld zu wohnen, das die Macht hat, sich in Stein, oft auch in Glas und Stahl zu verewigen: Basel – St. Johann, ein neuer Stadtteil entsteht vom Lysbüchel zu VoltaNord, Seite 58.

Noblesse
Wer viel Pracht bestaunen möchte, der sollte nach Oberhofen an den Thunersee reisen. In diesem Schloss residierte einst Grossfürstin Anna Feodorowa nach ihrer Flucht aus St. Petersburg. Am Sonntag den 10. September drehen sich die Schloss-Führungen um die Pracht des Hauses: Elegante Möbel, orientalischer Rauchsalon, Seidentapeten und die Magie der alten Mauern als stumme Zeugen einer bewegten Epoche. Im Schlosspark flanierten damals die noblen Herrschaften gerne auf Kieswegen zwischen Rosen und Buchs mit Blick auf den Thunersee.

Plädoyer für das Staunen
Diese zwei Tage im Zeichen der Pracht machen uns deutlich, in welch entzauberten Welt wir leben. Rationalisierung, Produktivität, Gewinnmaximierung und Digitalisierung bestimmen den Alltag. Herzschrittmacher können gehackt werden, Paare finden sich im Internet und Romantik ist ein Relikt aus alten Zeiten. Seidentapeten sind längst passé, Seidenbänder zieren allenfalls noch Pralinenschachteln. Beim Urban Gardening blühen keine Rosen, sondern Zucchetti. Wir sind Teil einer Welt ohne Mysterien, fast alles ist in der Bedeutung von uns selber erschaffen und erfunden worden. Ohne Mysterium verkümmert jedoch unsere Fähigkeit zu staunen, darum hat Ashley Curtis ein Plädoyer für das Staunen geschrieben. Curtis Gedanken sind zwar nicht in Stein gehauen, aber bewundernswert ist sein Erbe auf Papier allemal. Eigentlich hat er das Plädoyer 1978 als Philosophiestudent der Universität Yale (USA) entworfen und wurde von seinen Professoren des Plagiats bezichtigt. Ernüchtert brach Curtis sein Studium ab und trug fast vierzig Jahre lang seine Gedanken übers Staunen mit sich, bis er sie vor zwei Jahren niederschrieb. Jetzt sind sie unter dem Titel „Irrtum und Verlust“ erschienen (Kommode Verlag, Zürich).

-->