Montag, 4. Februar 2019

Das Repertorium Academicum Germanicum: Ein „Who is Who“ der Gelehrten des Alten Reiches

Kaspar Gubler und Rahel van Oostrum, RAG


Studienorte der Bischöfe von
Basel (rot) und Chur (voilett).
In der heutigen Welt sind wir vernetzt wie noch nie zuvor. Dies trifft nicht nur auf Prominente und Privatpersonen, sondern auch auf Wissenschaftler aller Art zu. Über das Internet teilen sie ihre Forschungen mit der ganzen Welt, sei es über private Netzwerke, online Fachzeitschriften oder Social Media. Die Wurzeln dieser wissenschaftlichen Gemeinschaft sucht das Forschungsprojekt „Repertorium Academicum Germanicum“ (RAG) im Mittelalter.

Gelehrte Lebenswelten

Das RAG erschliesst biographische Daten von Personen, die an einer Universität des Alten Reiches zwischen 1250 und 1550 einen höheren Akademischen Grad erlangt haben. Die Informationen zu diesen, zurzeit ca. 60'000 Gelehrten, werden in einer digitalen Datenbank verwaltet.
Ziel des Projektes ist es, die Studien- und Lebenswege von Magister der Artistenfakultät, Rechtsgelehrten, Theologen und Mediziner sowie von adeligen Universitätsbesuchern zu rekonstruieren. Anhand der Biographien dieser Personen sowie ihren Kontakten untereinander wird es möglich, einen umfassenden Einblick in die mittelalterlichen Ursprünge der modernen Wissensgesellschaft zu gewinnen.

Mittelalterliche Lebenswege digital

Die Daten der einzelnen Gelehrten werden den verschiedenen historischen Quellen der Universitäten Europas (Rektoratsmatrikeln, Fakultätsakten, Promotionslisten etc.) wie auch weiteren Überlieferungen entnommen und in die RAG-Datenbank eingegeben.
Diese Datenbank ermöglicht nicht nur die Recherche nach Lebensläufen von Einzelpersonen, sondern auch nach Personengruppen, die nach verschiedenen Kriterien geordnet und untersucht werden. Mit einfachen Suchbegriffen können die Gelehrten etwa nach ihren Studienabschlüssen, ihrer sozialen und geographischen Herkunft oder ihren späteren Tätigkeiten als Schreiber, Lehrer, Domherr etc. sortiert werden.
Zusätzlich bietet das RAG auch einen digitalen Atlas zur Analyse und Visualisierung der Ergebnisse. Die Visualisierungsmöglichkeiten erlauben beispielweise die Einzugsräume verschiedener Universitäten zu kartographieren oder die Karrieren der Gelehrten verschiedener Universitäten miteinander zu verbinden und zu vergleichen.
Die grosse Datenbasis des RAG eröffnet den Forschenden neue, auch interdisziplinäre Perspektiven. Qualitative und quantitative Aussagen über die gebildete Elite des Alten Reiches, über ihre europäische Vernetzung sowie über institutionelle und territoriale Vergleiche werden möglich.

Öffentlich zugänglich
Die RAG-Datenbank ist mit ihren Visualisierungen ist ein Forschungs- und Arbeitsinstrument, das laufend ergänzt und erweitert wird. Auf der Webseite des Projekts sind alle Daten öffentlich zugänglich und die Visualisierungsmöglichkeiten werden stetig weiter ausgebaut.

Vergleich der geographischen Herkunft von Promovierten der Universität Basel (blau) und Freiburg im Breisgau (rot).

Keine Kommentare: