Donnerstag, 22. Juni 2017

Von Münzen, Volkskunde und Jutzen

Dr. Franca Siegfried Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften
Was hat der Diminutiv mit unserem Geld zu tun? Es mag seltsam klingen, aber wir Schweizer haben die Eigenart, unserer Währung einen Kosenamen zu geben – etwa fünf Fränkli. Die offizielle Münzprägestätte Swissmint in Bern, weiss diese nationale Eigenart zu nutzen. Darum prägt sie seit 81 Jahren Sondermünzen zur Erinnerung an historische, wie auch kulturelle Anlässe – besonders geehrt wird das typisch schweizerische Kulturgut.

Mehr als nur Geld
Münzen sind ausgezeichnete Datenträger, die auf kleinstem Raum viel über die Geschichte der Menschheit verraten. Um das wissenschaftliche Potential der Münzen zu nutzen, gründete die Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW) 1992 das Inventar der Fundmünzen der Schweiz (IFS). Es garantiert eine Dokumentation aller Münzen, die bei Ausgrabungen oder durch Zufall in unserem Land und in Lichtenstein entdeckt werden. Münzen faszinieren nicht nur Numismatiker, sondern auch Archäologen, Historiker und Volkskundler.
https://www.fundmuenzen.ch/

Volkskunde in Silber
Swissmint hat im Mai, nur wenige Wochen vor dem 30. Eidgenössischen Jodlerfest, eine 20-Franken-Silbermünze herausgegeben. Sie wiegt 20 Gramm, hat einen Durchmesser von 33mm und kostet 30 Fränkli. Im online-shop von Swissmint wird das Jodel-Sammlerstück beschrieben: „Der Ruf von Berg zu Berg, die Kommunikation von Alp zu Alp bilden den Ursprung des Jodelns. Die Liebe zur Natur und Heimat sind bis heute zentrale Themen dieser besonderen, bereits nach den ersten Tönen erkennbaren Alpenmusik. Geschichtlich gesehen stand am Anfang der Naturjodel, der sich einst als Kommunikationsform in gebirgigen und unwegsamen Regionen entwickelte und auch beim Eintreiben der Kühe half...“
www.swissmintshop.admin.ch 

30. Eidgenössisches Jodlerfest
15'000 stimmkräftige Frauen und Männer treffen sich vom 22. bis 25. Juni in Brig-Glis:150'000 Besucher werden erwartet. Es wird gejodelt, gejutzt und gefeiert, mit von der Partie sind Alphorn und Schwyzerörgeli. Die Darbietung der Fahnenschwinger ist ein urtümliches, patriotisches Spektakel mit 90 verschiedenen Schwüngen, alles ist streng reglementiert. Traditionelles Shopping in der sogenannten „Jodlermeile“ darf nicht fehlen: Armstulpen, Unterrock oder Trachtenschmuck? Die Auswahl ist gross. Gemäss Schweizer Tradition gibt es 700 unterschiedliche Trachten nebst der modernen Trachtenmode, die sich jedoch nicht um das kulturelle Erbe kümmert.
https://www.jodlerfest-brig.ch/


Urbanes Jutzen
Interessant ist die Entwicklung des Jodelgesanges – im 19. Jahrhundert hat sich das Jodeln zum Lied entwickelt bzw. der Jodel tritt als Kehr- und Schluss-Refrain von Volksliedern auf. «Das Jodeln in der Schweiz erfreut sich einer anhaltend grossen und sogar steigenden Beliebtheit», sagt Karin Niederberger, Präsidentin des Jodlerverbandes, der Zeitung Schweiz am Sonntag. Dennoch jammern viele Jodelklubs über Nachwuchsprobleme. In Städten jedoch formt sich eine neue Jutzbewegung: In Kursen, die meistens ausgebucht sind, wird gelernt, was ein urtümlicher Jutzer ist. Darum besteht Hoffnung, dass im Jahr 2020, am nächsten Eidgenössischen in der Stadt Basel, die ländlichen Jodelchöre gegen urbane Jutzer antreten werden.


Jodel-Pop fürs Eidgenössische
DJ Antoines Superhit «Ma Chérie» haben die Walliser für sich interpretiert: „When I look into your eyes...“ Der lüpfige Jodel-Pop macht Werbung für das Eidgenössische in Brig-Glis. Auf dem Videoportal Youtube steigen die Aufrufe gegen 450'000. Unsere Tradition profitiert von der Digitalisierung. Das macht auch Hoffnung für das typisch schweizerische Kulturgut. https://www.youtube.com/watch?v=ltXpMuH8SI4

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