Mittwoch, 5. Oktober 2016

Eine Frage der Kausalität

Dr. Franca Siegfried
Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften

„Die Schweizer Bevölkerung ist zufrieden mit ihrem Leben, positive Gefühle überwiegen und die grosse Mehrheit empfindet ihr Leben als sinnvoll und selbstbestimmt“ (Sozialbericht 2016, Ausgewählte Resultate: 1)Im Sozialbericht 2016 haben das Schweizer Kompetenzzentrum Sozialwissenschaften FORS mit der Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds das Wohlbefinden der Bevölkerung dokumentiert.

Was bedeutet Wohlbefinden
Wie zufrieden sind wir mit dem Leben, mit unserer finanziellen, sozialen und persönlichen Situation? Erachten wir unser Leben wirklich als sinnvoll, nützlich, erfüllt und selbstbestimmt? Die WHO etwa definiert sogar Gesundheit als einen Zustand vollständigen körperlichen, seelischen und sozialen Wohlbefindens. Das individuelle Wohlbefinden einer Bevölkerung in einem Sozialbericht auf einen Nenner zu bringen ist eine Mammutaufgabe schlechthin, bei der auch Schwierigkeiten bei der Auswertung und Interpretation auftreten können.

Wohlbefinden liegt in der Beziehung
„Die überwiegende Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer lebt in einer Partnerschaft. Menschen in einer Partnerbeziehung sind tendenziell zufriedener, erleben mehr Freude und sind weniger traurig“ (Sozialbericht 2016, Ausgewählte Resultate: 3). FORS stellt sich mit dieser Aussage bewusst auch dem Problem der Kausalität: Leben zufriedene Menschen eher in einer Beziehung oder macht generell eine Beziehung zufrieden? Zwei gemeinsame auftretende Phänomene werden kausal miteinander verknüpft, obwohl es keinen Beweis für eine Kausalität zwischen den beiden Phänomenen gibt. Die Korrelation, das miteinander Auftreten zweier Phänomene, bedeutet in diesem Fall noch keine Kausalität.

Wohlbefinden endet nach der Trennung
Betrachtet man jedoch das subjektive Wohlbefinden nach Zivilstand, so haben Verheiratete ein deutlich höheres als Geschiedene und Verwitwete. Das weitaus tiefste Wohlbefinden haben jedoch getrennte Frauen und Männer. Unsicherheit und emotionaler Stress während der Übergangszeit beeinträchtigen das Wohlbefinden am stärksten.

Wohlbefinden beginnt mit der Vorfreude
Unbestritten und ohne Scheinkausalität ist das Lebensereignis Heiraten, welches das subjektive Wohlbefinden bereits bei den Vorbereitungen erhöht. Dieser Effekt flacht jedoch nach dem Ja-Wort wieder ab.



Zum Thema

Publikation: Claudine Burton-Jeangros, Trajectoires de santé, inégalités sociales et parcours de vie. Swiss Academies Communications 11 (8), SAGW, 2016.







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