Mittwoch, 30. März 2016

Ist die Schweiz eine Utopie?


Beitrag von Sabine Eggmann, Schweizerische Gesellschaft für Volkskunde

„Ein Glücksfall von einem Dokumentarfilm“ schreibt die NZZ in ihrer Replik auf den Film „Neuland“ von Anna Thommen. Darin wird gezeigt, wie eine Gruppe Jugendlicher – alle nicht in der Schweiz aufgewachsen – versucht, in der Schweiz neu Fuss zu fassen. Sie kommen aus Gegenden, wo sich ihnen keine Perspektive bietet, von wo sie flüchten mussten. Viele haben traumatische Erlebnisse hinter sich, einige vermissen ihre bisherige Umgebung, ihre Familien und Freunde, die Gefühle sind oft ambivalent. In dieser Situation erhalten sie Starthilfe von Seiten der Integrationsschulde beider Basel, die ihnen mit diversen „Brückenangeboten“ zur Seite stehen will.
Der pragmatische und realitätsnahe Lehrer ist unermüdlich in seinem Bemühen, seinen Schülerinnen und Schülern Vertrauen in die Zukunft zu geben. Er versucht mit den Neuankömmlingen zwei Jahre lang, die sprachlichen Grundlagen zu legen, den Anforderungen des schweizerischen Ausbildungs- und Arbeitsmarkts nachzukommen, je eigene Zukunftsvisionen zu entwickeln und für alle eine Lehr- und Arbeitsstelle zu finden. Die eigenen Handlungsspielräume zu erkennen und möglichst immer wieder zu erweitern, zeigt sich dabei als Herausforderung für die dargestellten Jugendlichen, die auch die Zuschauerinnen und Zuschauer selbst gut nachvollziehen können: sie alle leben in einer Gesellschaft, die die oft paradoxe Forderung stellt, gleichzeitig flexibel, dynamisch und international vernetzt sowie mit dem schweizerischen Lokalkolorit vertraut und mit einem spezifischen Ort verbunden zu sein.

Der Film zeigt sehr feinfühlig und deutlich, wie fragil diese Verortungsversuche sind. Manchmal – oder sogar oft – gelingen sie, manchmal auch nicht. Um den (neuen) Platz im Leben muss immer wieder gerungen werden, die Schweiz wird immer wieder mal zur Utopie...
Die Filmvorführung gibt die Gelegenheit, sich mit den aufgeworfenen Fragen auseinanderzusetzen sowie diese direkt mit der Filmemacherin zu diskutieren. Im Anschluss findet ein Apéro statt.

„Utopie Schweiz“, Filmvorführung „Neuland“ mit anschliessender Diskussion mit der Filmemacherin Anna Thommen, geführt von Dr. Silke Andris, 12.4.2016, 18.30 h, Kult.Kino Atelier, Theaterstrasse 7,  4051 Basel.


Organisiert und durchgeführt im Rahmen der SAGW-Veranstaltungsreihe „La suisse existe – la suisse n’existe pas“ von der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde und der Sektion Basel der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde.



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