Freitag, 18. September 2015

Tagesschulen sind die Zukunft!

Beitrag von Dr. Markus Zürcher, Generalsekretär der SAGW

Die Veranstaltung „Von Tagesstrukturen zu Tagesschulen“ vom 16. September 2015 in Bern bestätigte, was zahlreiche Studien empirisch gut abgestützt belegen: Tagesschulen tragen entscheidend zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei. Sie erhöhen die Verfügbarkeit des Arbeitspotenzials der aktiven Generationen. Sie fördern eine egalitäre Aufteilung der Erwerbs- und Familienarbeit zwischen Mann und Frau, was gemäss verschiedenen Studien zu einer höheren Geburtenrate beiträgt. Mit einem pädagogisch durchdachten Angebot können sie die Bildungs- und Berufsperspektiven von Kindern aus sozial schlecht gestellten Familien verbessern. Über alle Generationen und über die Geschlechtergrenzen hinweg mobilisieren Tagesschulen jene Arbeitskräftepotenziale, die der Schweiz fehlen. Forschende wie PraktikerInnen sind sich einig, dass Tagesschulen auch aus einer pädagogischen Perspektive die Zukunft sind: Formelles und informelles Lernen lassen sich vielfältig, kindergerecht und zu ihrem Vorteil verbinden.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass die gegenwärtige Diskussion zutiefst politisch motiviert ist. Jenseits der Fakten und Evidenzen hält die politische Diskussion einige Fallen bereit, die es auszulassen gilt: So wird etwa behauptet, dass das gegenwärtige, höchst lückenhafte und unzureichende Angebot den angeblich nach Regionen höchst unterschiedlichen Bedarf abbildet. Überzeugend zeigten Monika Bütler und René Levy, dass sich Eltern dem fehlenden Angebot flexibel anpassen, indem sie entgegen ihren Wünschen ihr Arbeitspensum reduzieren oder anderweitige Betreuungslösungen suchen. Keineswegs sind die von ihnen getroffenen, persönlich wie gesamtgesellschaftlich suboptimalen und ineffizienten Lösungen ihren Bedürfnissen entsprechend frei gewählt. Auch allen Umfragedaten widersprechend wird in einem politisch-rhetorischen Kraftakt eine krasse Unterversorgung zu einem bedarfsgerechten Angebot umgedeutet.


Gestellt ist denn auch die Föderalismusfalle: Im Sinne der Subsidiarität sei es an den Gemeinden, das Notwendige zu tun. Verschwiegen wird dabei, dass Subsidiarität ebenso fordert, dass die höhere Staatsebene in der Pflicht ist, wenn die untere Staatsebene nicht aktiv wird. Ausgeblendet wird, dass der Wohn-, Lebens- und Arbeitsraum nicht mehr identisch ist und auch nicht an den Gemeindegrenzen endet.  Ignoriert wird ebenso, dass Tagesschulen dort erfolgreich eingeführt wurden, wo Kantone und Gemeinden, teilweise unter Einschluss der Wirtschaft, sich gemeinsam und konzentriert dafür eingesetzt haben.


Fundamental veränderte Lebensverhältnisse kennen weder kommunale noch kantonale Grenzen. Mit angeblicher regionaler und föderaler Vielfalt die Zukunft zu verbauen, ist unredlich, widerspricht allen Fakten und Evidenzen und hat einen hohen Preis. Dieser manifestiert sich gegenwärtig im Fachkräftemangel in zahlreichen Schlüsselbereichen sowie in einer hohen Zuwanderungsrate mit all ihren unerwünschten Folgen.

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