Donnerstag, 11. April 2013

Digital Turn – wohin?


Ein Beitrag von  Dr. Beat Immenhauser, SAGW

Der digitale Wandel und mit ihm die Digital Humanities (DH) sind auch in der Schweiz angekommen. Zu diesem Schluss könnte man kommen, wenn man sich die zahlreichen Meldungen zu diesem Thema, die hierzulande unter dem „DH-Label“ figurieren, vor Augen führt. Da ist etwa von Digitalisierungen historischer Ressourcen, von der Umbenennung eines Instituts, von einer Summer School oder weiteren Veranstaltungen die Rede. Gegenwärtig hat sehr Vieles Platz unter diesem Label, und das ist auch gut so. Dabei spürt man eine grosse Lust vor allem in der jüngeren Generation der Forschenden, digital vorliegendes Quellenmaterial zu nutzen und dabei geeignete digitale Werkzeuge zu verwenden. Führt dies zum „digital turn“ in den Geisteswissenschaften, der die linguistischen und kulturwissenschaftlichen Paradigmenwechsel des 20. Jahrhunderts ablöst? Es wäre verfrüht, diese Frage mit Ja oder Nein zu beantworten. Allein schon der Medienwechsel, also die digitale Verfügbarkeit von Quellen, wird nicht ohne Folgen auf die Geisteswissenschaften bleiben. Damit sich jedoch ein theoretischer Wandel auf breiter Form einstellen wird, müssten konsequent informatikgestützte Methoden zur Bearbeitung von Fragen eingesetzt werden, die auf „herkömmliche“ Weise nicht zu erörtern sind. Solche Ansätze lassen sich an den institutionellen Kristallisationspunkten der DH in der Schweiz in der Tat schon beobachten, auch wenn die Formalisierung der Ausbildung etwa in Form eines Studiengangs noch in den Anfängen steckt.

Noch ist die ganze Bandbreite möglicher Forschungsfragen, die sich im Zusammenhang mit den DH stellen, in der geisteswissenschaftlichen Fachgemeinschaft nicht breit verankert. Die SAGW bietet deshalb im Rahmen ihrer Herbsttagung zum Thema Digital Humanities: Neue Herausforderungen für den Forschungsplatz Schweiz (Bern, 28./29. November 2013) Forschenden Gelegenheit, ihre DH-Projekte der Fachgemeinschaft zu präsentieren. Der Call for Papers ist angelaufen und dauert bis am 26. April 2013.

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