Donnerstag, 9. Februar 2017

Eine Milliarde Franken für weniger Bildung

Dr. Franca Siegfried Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften
Die SP Schweiz hat gerechnet und ist auf mehr als eine Milliarde Franken gekommen: Das ist die Sparsumme der Bildung im Zeitraum 2013 bis 2018. Nicht berücksichtigt hat die SP bei ihrer Bilanz weitere Einsparungen auf Bundes- und teilweise auch auf Gemeindeebene.

Wo setzt der Sparhammer an?
Schulen schränken Angebote ein, etwa weniger Freifächer im Kanton Aargau. Kinder bekommen noch mehr Ferien – in Luzern wurde den Kindern eine Woche Zwangsferien verordnet. In Neuenburg und im Kanton Bern wird die Klassengrösse erhöht. Im Wallis findet der Sprachunterricht zukünftig nicht mehr in Halbklassen statt. Und Lehrerlöhne werden gekürzt bzw. ihre Pflichtstunden erhöht.

Best return on investment 
Investiert der Staat in die Bildung der Kinder – investiert er in den Rohstoff seines Landes: Bildung bedeutet Wohlstand. Mit der demografischen Alterung wird es in unserem Land weniger Kinder geben, das bedeutet auch weniger Köpfe und Hände, die produktiv sein werden. Was geschieht mit der Gratis-Erstausbildung für alle – ein Dogma der Schweizer Bildungspolitik?

Volksschule-Cumulus-Karte
Privatschulen entlasten das Budget der öffentlichen Schulen, dieses Szenario geistert zumindest in den Köpfen des Winterthurer Stadtrates – 10 Millionen Franken sollen damit pro Jahr eingespart werden. Das gleiche Szenario ist Teil der Vertiefungsstudie Volksschule 2030: Die Volksschule wird privatisiert und Kinder bekommen vom Staat eine Bildungsgutschrift – einlösbar an frei, gewählten Schulen. Die vom Bund und Kanton zertifizierten, privaten Schulen verlangen zusätzlich von Eltern Schulgelder. Damit wäre das Schweizer Dogma der unentgeltlichen Erstausbildung beerdigt.

Ein "Kässeli" mit 2 Milliarden Franken
Diese Summe wurde für die Forschung von neuen Technologien im Januar am Worldwebforum in Zürich gefordert. Im Zentrum des Gedankenaustausches zwischen Politikern, Forschern und Unternehmern stand ein „digitales Manifest“: Auf 20 Seiten einen Massnahmenkatalog in den Bereichen Gesellschaft, Politik, Infrastruktur, Wirtschaft, sowie Forschung und Bildung. Bundesrat Johann Schneider-Ammann will den Prozess der Digitalisierung unterstützen bzw. das Geld dafür müsste vorhanden sein.

Blitzgescheite Roboter
Wird der Bereich der Roboter-Forschung besonders gut unterstützt, etwa durch das Sparprogramm Bildung. Würden in Zukunft Roboter für unsere Kinder das ABC-Lernen übernehmen. Zumal die „digitalen Helfer“ im Unterricht anspruchsloser als lebhafte, neugierige Kinder sind. Die Roboter bräuchten eine einmalige Investition, regelmässig ein Update und zum Fressen etwas Strom. Wird die Zukunft der Schulen immer noch mit Kinder sein?

Im Dunkeln
Letzten Dezember haben LehrerInnen vom Kanton Luzern ihren Missmut an einem Mittwochnachmittag demonstriert: „Lehrpersonen geht der Laden runter“. Die Storen in den Schulzimmern blieben als Zeichen für den Bildungsabbau geschlossen. In Ihrer Pressemitteilungen schrieb der Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverband LLV: „Der Kanton ist nicht mehr verlässlich als Arbeitgeber.“


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