Donnerstag, 20. Oktober 2016

Das Gewissen einer Generation

Dr. Franca Siegfried
Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften

Sara Danius, genannt Frau Nobelpreis, hat resigniert. Die Schwedische Professorin für Literaturwissenschaft wollte Bob Dylan die Botschaft verkünden, dass ihr Komitee ihn zum Preisträger 2016 auserkoren hat. Dylan war für die Dame nicht erreichbar.

Titelhagel
Zwei Doktorentitel, einen Pulitzer-Sonderpreis, die National Medal of Arts, die Presidential Medal of Freedom, den französischen Orden der Ehrenlegion... in den letzten Jahren konnte sich der 75-Jährige vor lauter Ehrungen kaum noch wehren.

Bedeutung der Ehrung
Soziologe Max Weber erklärte Ehrungen als Gratifikation für aussergewöhnliche Arten der Lebensführung, etwa selbstloses Engagement für die Gesellschaft, besondere intellektuelle Leistungen oder im Fall Dylan künstlerische Kreativität. Der Ehrer, das Komitee des Nobelpreises, beweist mit der Auszeichnung, dass er dessen Lebensführung respektiert und der Geehrte bekommt den Segen, dass er gesellschaftlich anerkannt ist.

Stimme einer Generation
Bob Dylan selber hat sich nie um Kunstformen und Establishment gekümmert: Er war Hippie-Ikone, Rockmusiker, Schauspieler, sang politische Botschaften und überwand seine Lebenskrisen mit Alkohol und christlicher Selbstfindung. Mit seiner Lebensführung am Rande der amerikanischen Gesellschaft wurde Dylan in den 1960-er Jahren zur Stimme einer ganzen Generation.

Antiehrung
Die weltweite Diskussion, ob sich Kandidat Dylan für einen Nobelpreis eignet ist unwürdig. Damit entehren Experten die Lebensführung eines Mannes, der sich um das wirklich Wichtige im Leben, um seine Authentizität kümmerte. Wird Bob Dylan am 10. Dezember an der Preisverleihung in Stockholm aufkreuzen? – The answer is blowin' in the wind...

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